Hoch über der Zielgeraden von Portimão versuchen ein paar Glühwürmchen, dem Geschehen ein wenig Licht zu schenken. Eigentlich war geplant, die Fahrer weit in die Nacht hinein fahren zu lassen – für das volle Le-Mans-Gefühl. Nur: Der VW ID.R bringt noch weniger Licht mit als Portimão selbst. Der Porsche 935 hätte dagegen genug Beleuchtung für beide – seine LED-Kegel sind schlicht beeindruckend. Im Dunkeln würde das aber bedeuten, dass der ID.R im Windschatten eines deutlich langsameren Autos hinterherrollt. Und mit „deutlich“ meine ich: wirklich deutlich. Und ja, ich rede vom 935.
Also wurden die Autos reingerufen – sehr zum Missfallen von Chris Harris – und dieser Vergleich wurde vorgezogen. Da der ID.R ohnehin nur drei schnelle Runden am Stück schaffte, bevor er eine komplette „knistert die Luft hier?“‑Ladung brauchte, interessiert mich vor allem: Wie lange hält ein Tesla Model 3 Performance Vollgasbetrieb durch? Wobei das eigentliche Thema nicht die Reichweite ist, sondern wie schnell sich verbrauchte Energie wieder nachfüllen lässt. Ein Mercedes-AMG A45, betankt mit Repsol, steht in weniger als drei Minuten wieder auf der Strecke. Ohne passenden Supercharger in der Nähe lautet die Antwort beim Tesla eher: „bei Tagesanbruch“.
Text: Ollie Marriage // Fotos: Richard Pardon
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Der Kontext: Objektiv gewonnen, subjektiv offen
Kommen wir zum ernsten Teil. Anfang dieses Jahres haben wir ein Model 3 gegen den BMW M3 gestellt und die objektiven Disziplinen geprüft (Beschleunigung, Bremsen, Rundenzeit). Überraschend war das Ergebnis für niemanden: Der Tesla gewann. Jetzt geht es um das Subjektive: Macht ein elektrischer Sportler genauso viel Spass wie ein Performance-Benziner?
Vergesst jeden anderen Test hier – dieser hier ist derjenige, der am stärksten darüber entscheidet, wie die Zukunft des Performance-Autos aussieht. Der Grund ist simpel: Elektrisch ist längst da, und als Transportmittel funktioniert es richtig, richtig gut. Nur habe ich bisher kaum ein E-Auto gefahren, das mehr kann als auf der Geraden zu beeindrucken. Gut, da wäre der VW ID.R – aber der zählt kaum als Massstab für Serienrealität. Das Model 3 muss also liefern. Es ist dabei technisch erstaunlich übersichtlich, und genau das führt oft zu unkomplizierten Freuden.
Antrieb und Systeme: Tesla Model 3 Performance gegen Mercedes-AMG A45 S
Beim Tesla sitzt je ein Elektromotor an jeder Achse, wobei hinten mehr Leistung anliegt als vorn (283 bhp gegen 197 bhp). Das Torque Vectoring arbeitet zwischen den Achsen, nicht radselektiv – es gibt keine Sperrdifferenziale. Stattdessen können die Stabilitätssysteme einzelne Räder abbremsen, um Traktion zu sichern, Linien zu straffen und Ähnliches. Der Track‑Modus erhöht ausserdem die Rekuperation und verstärkt die Kühlung des Batteriepakets.
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Stellt man dem den AMG A45 gegenüber, wirkt der Tesla fast minimalistisch. Im Mercedes ist enorm viel Technik unterwegs: ein Motor mit drei separaten Kühlwasserpumpen, ein Lader, der über Wasser, Öl und Luft gekühlt wird, ein Allradantrieb mit mechanischem Differenzial vorn, aber elektronisch gesteuerten Lamellenkupplungspaketen hinten, dazu ein Achtgang‑Mehrkupplungsgetriebe – und genügend Rechenleistung, um all das zu koordinieren und obendrein noch Platz für den Drift‑Modus zu haben.
„Übersteuern“ als Versprechen – und als Falle
Beide behaupten im Kern, sie könnten „Übersteuern“. Als wäre genau das der Schlüssel zum Fahrspass. Auf öffentlichen Strassen kann es allerdings genauso gut der Schlüssel dazu sein, dass man am Ende gar nicht mehr fährt.
Wirklich gut macht es keiner von beiden. Dem Tesla verpasse ich einen heftigen skandinavischen Flick, der die (noch aktive) Stabilitätskontrolle deutlich aus dem Konzept bringt. Ergebnis: Er lässt eigentlich nur im Rahmen seiner eigenen, streng geregelten Parameter quer zu – ein kurzer Rutscher beim Herausbeschleunigen aus Kurven unter Volllast.
Beim Mercedes ist es – wie zu erwarten – komplizierter. Viel Lenkwinkel, einen Moment später viel Leistung: die volle Grobmotorik in der Kurve. Damit meldet man dem A45: Hier fährt gerade eine absolute Legende. Also schickt er den Grossteil der Kraft nach hinten, tritt das Heck breit, und man kontert. Doch sobald diese „Legende“ dann kreativ wird und mit Lenkrad oder Gas die Linie noch verändern will, entscheidet das System, dass es jetzt reicht – und zieht dich wieder gerade. Stammtisch-Angeber, beide.
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Nacht-Runden in Portimão: Wo beide stark sind – und wo nicht
Ich begnüge mich mit schnellen, sicheren Runden in der Nacht. Das ist praxisnäher, befriedigender und reduziert die Chance, rückwärts in ein dunkles Kiesbett zu reisen. Interessant: Beide Autos glänzen am selben Punkt der Kurve – beim Herausfahren.
Im Tesla sind die E‑Motoren so abgestimmt, dass sie aus langsamen Kurven heraus exzellente Traktion und sofortigen Schub liefern. Und tatsächlich: Wenn man präzise und sauber arbeitet und den Wankaufbau gleichmässig zulässt, lässt er sich auch ordentlich in Kurven hineinbringen. Die Algorithmen hinter dem Gaspedal reagieren schnell und exakt, ohne ruppig zu werden – das braucht es auch, weil die Sitze zu flach sind. Man rutscht herum, was zu hektischen Inputs verleiten kann. Und dann kommt eine schnellere Kurve, man klammert sich ans Lenkrad, weil man dem Model 3 nicht ganz traut. Hochgeschwindigkeitsstabilität ist nicht seine Paradedisziplin. Es beginnt sich schwer, weich und leicht eigensinnig anzufühlen – und über die nervöse Lenkung und das Fahrwerk kommen nicht die Informationen zurück, die man für echtes Vertrauen bräuchte.
Der leichtere, straffer wirkende Mercedes ist bei hohem Tempo klar stärker. Über Fahrwerk und Lenkung meldet sich mehr Grip zurück. Merkwürdig wird er eher im Langsamen: Die Vorderachse fühlt sich weicher an als die Hinterachse, und wenn man ihn aus engen Kehren herausprügelt, schickt das System Kraft ans äussere Hinterrad. Das richtet das Auto so schnell auf, dass man aktiv Lenkwinkel zurücknehmen muss.
„Der Merc ist ein härteres kleines Nugget, ein zufriedenerer, robusterer Runden-Klopper“
Es bleibt der Eindruck, dass sich keines der beiden Autos völlig „natürlich“ verhält: der Mercedes wegen seiner technischen Komplexität, der Tesla, weil er für echte Track-Arbeit nicht genug „zugeschnürt“ ist. Die Bremsen sind nach ein paar Runden überfordert (ich habe noch keinen einzigen Tesla gefahren, der wirklich gut bremst), die Reifen bauen ebenfalls ab – und am Ende sind das die limitierenden Faktoren, nicht der Akku.
Fahrgefühl: Mehr als nur Beschleunigung
Der Mercedes wirkt insgesamt zäher, als fröhlicherer und standfesterer Rundenfresser. Und ja: Er hat einen Verbrennungsmotor. Ich habe ihn bisher bewusst nicht in den Vordergrund gestellt, weil er nicht „reinfunken“ sollte – aber ein Antrieb ist eben mehr als reine Beschleunigung.
Die Beschleunigung des Tesla empfinde ich als unerquicklich. Sie ist jedes Mal gleich. Das ist nicht aufregend. Im AMG musst du mit dem Leistungsband arbeiten, du überlegst, wann hoch oder runtergeschaltet wird, du hörst hin.
Genau diese Interaktion fehlt mir bei vielen Elektroautos: das Gefühl, dass das Auto nicht nur Werkzeug ist, sondern Begleiter, Partner. Es beginnt beim Motor – dem lebendigsten Bauteil – und zieht sich weiter über Lenkung und Fahrwerk. Dann wird Fahren zu einem Dialog, und je klarer man miteinander „spricht“, desto besser wird es. Der A45 hat bei mir Emotionen ausgelöst – selbst wenn es manchmal eher Frust als Freude war. Können E‑Autos da hinkommen? Trotz ihres Gewichts sehe ich keinen Grund, warum sie nicht sauber über Lenkung, Bremsen und Fahrwerk kommunizieren könnten. Nur ist der Tesla, bei all seinen Stärken als Strassenauto, noch kein Track‑Auto. Noch nicht. Komm schon, Elon – und nimm bitte gleich hellere Glühbirnen mit.
Technische Daten
TESLA MODEL 3 PERFORMANCE
Preis: £52,640
Motor: Zwei Elektromotoren, 444 bhp, 471 lb ft (ca. 639 Nm), AWD
Fahrleistungen: 0–62 mph in 3.2 secs (0–100 km/h), 155 mph (ca. 249 km/h)
Gewicht: 1847 kg
Leistung/Gewicht: 244 bhp/tonne
MERCEDES-AMG A45 S
Preis: £50,520
Motor: 2.0T, 4-Zyl., 415 bhp, 369 lb ft (ca. 500 Nm), AWD
Fahrleistungen: 0–62 mph in 3.9 secs (0–100 km/h), 167 mph (ca. 269 km/h)
Gewicht: 1550 kg
Leistung/Gewicht: 268 bhp/tonne
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