Du brauchst also ein zweites Auto als Familien-Flitzer für den Alltag – und weil dir Plastik im Meer und flauschige Tiere nicht egal sind, muss es elektrisch sein. Ausserdem soll es das auch deutlich zeigen, denn was bringt eine gute Tat, wenn die Nachbarn nichts davon mitbekommen? Und: Es muss cool sein. Denn wenn du bei der Reichweite einen Kompromiss eingehst, musst du das Auto wirklich mögen.
Design und Auftritt: Fiat 500 und Honda e
Zum Glück sind beide Kandidaten echte Designstücke. Der Fiat 500 fällt sofort auf – mit seiner ikonischen Silhouette und dem „Love-it-or-hate-it“-Roségold-Lack. Doch aus der Nähe wird schnell klar: Das ist nicht einfach ein alter 500 mit einem Akku im Unterboden. Kein einziges Teil entspricht dem 500 mit Verbrennungsmotor, den wir erstmals 2007 gesehen haben und der weiterhin parallel zum elektrischen Bruder verkauft wird – wobei er im direkten Vergleich hoffnungslos aus der Zeit gefallen wirkt.
Der reine Elektro-500 ist länger, breiter und höher als das Auto, das er irgendwann ersetzen soll. Das Fünfzigerjahre-Thema wird mit sehr modernen Flächen kombiniert. Die günstigeren Varianten starten nach staatlicher Förderung bei sehr fairen £20,495. Und wer zusätzliche Style-Punkte sammeln will, kann für £2,650 sogar ein Stoffverdeck bestellen – damit gehört er zu den wenigen vollelektrischen Cabrios, die man in Grossbritannien kaufen kann. Und dieses Gesicht ist wirklich zum Verlieben.
- Fotografie: Jonny Fleetwood
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Apropos Gesichter: An die sympathische Visage des Honda e haben wir uns inzwischen fast gewöhnt – was aber den Blick dafür nicht verstellen sollte, wie gut er aussieht. Das ist das Auto, bei dem Leute stehen bleiben, um zu plaudern, und das während unseres ganztägigen Shootings ständig bewundert wird. Er ist erfrischend anders – und fast unmöglich nicht zu mögen.
Preise und Reichweite im Vergleich
Über den Preis des kleinen Honda wurde schon viel geredet – nur kostet in unserem Test ausgerechnet der Fiat am Ende mehr. Unser japanischer Kandidat ist der stärkere und leicht teurere Advance mit 152bhp. Als Extra braucht es lediglich Metallic-Blau für £550; damit liegt der Kaufpreis nach Förderung bei £29,710. Zum Zeitpunkt des Schreibens kostet der günstigste verfügbare e etwas über £28,000.
Der Italiener tritt hier dagegen als Icon in Top-Ausstattung an – und mit dem grösseren der zwei verfügbaren Akkus. Mit zusätzlichen £2,137 an Optionen liegt der On-the-road-Preis damit knapp auf der falschen Seite von £30k.
Bei der Reichweite holt sich der Fiat dann aber sehr deutlich Punkte zurück. Sein 42kWh-Lithium-Ionen-Akku arbeitet mit einem 117bhp-Motor und einem klassischen FWD-Layout zusammen. Die WLTP-Angabe liegt bei 199 miles, realistisch sind eher 150. Der Honda kommt mit seinem 36kWh-Akku offiziell auf 137 miles – im Alltag sind es eher rund 100 miles.
In unserer gemeinsamen Zeit zeigte sich der Fiat zudem als effizienter: 4.2 miles-per-kWh gegenüber 3.9 beim Honda. Dafür lädt der Honda an der Schnellladesäule mit nützlichen 100kW, während der Fiat bei 85kW liegt. Beide verbrauchen bei Autobahntempo spürbar mehr, aber der Honda ist dabei das angenehmere und leisere Auto.
"Sobald man losfährt, ist fast sofort klar, dass der Honda der ist, den man fahren will"
Innenraum, Ergonomie und Platzangebot
Im Fiat passt die Sitzposition nicht ganz – ähnlich wie bei den jüngsten Verbrenner-Varianten. Einen richtigen Platz für den linken Fuss gibt es nicht, und die Sitze aus recyceltem Stoff bieten keine Höhenverstellung (ausser man legt £300 für die Komfortsitze drauf). Dadurch sitzt man ziemlich kerzengerade. Der Rest des Cockpits ist gelungen: ein 10.25-inch-Touchscreen plus separate Klimabedienung – hurra. Hinten ist die Beinfreiheit für zwei Mitfahrer allerdings quasi nicht vorhanden.
Das Instrumentendisplay zeigt Tempo und Ladestand klar an, und es gibt nette Details wie die Silhouetten-Umrisse von Turin. Abzüge gibt es trotzdem: Einige Kunststoffe wirken billig, und die Planung ist nicht überall zu Ende gedacht – die zentrale Ablagebox hat keine Abdeckung und sieht dadurch schnell unordentlich aus, und die schicken Türöffnungs-Buttons brauchen zusätzlich einen schwarzen Hebel weiter unten.
Beim Honda gibt es solche Patzer kaum. Mit seinem retro-inspirierten Lounge-Interieur, der Sechs-Screen-Show und einer praktischen 12V-Steckdose wirkt er innen deutlich hochwertiger. Knöpfe und Drehregler fühlen sich teurer an, und die besser positionierten Stoffsitze sind weicher, schicker und stützen besser als die im Fiat. Die Kamera, die den Innenspiegel ersetzen kann, wird man vermutlich fast sofort deaktivieren – die Aussenspiegel-Ersatzkameras funktionieren dagegen gut, sobald man sich daran gewöhnt hat.
Der Honda hat ausserdem vier Türen, was den Einstieg nach hinten erleichtert. Trotzdem gibt es dort nur zwei zusätzliche Sitzplätze, und der Kofferraum fällt sogar kleiner aus als beim Fiat (171 litres gegenüber 185). Einen Frontkofferraum (Frunk) gibt es bei beiden nicht – die Ladekabel landen also als Tasche im Kofferraum.
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Fahrgefühl, Antrieb und Rekuperation
Sobald man fährt, bestätigt sich sehr schnell: Der Honda ist auch dynamisch das Auto, das man bewegen möchte. Im e sitzt man tiefer, mit mehr „Langbein“-Gefühl, und durch den Heckantrieb (plus Michelin Pilot Sport 4s) wirkt er wesentlich lebendiger als der 500. Er sprintet eine volle Sekunde schneller auf 62mph. Honda verbaut zudem Schaltwippen hinter dem Lenkrad, um die Stärke der Rekuperation zu verstellen, wenn man nicht im Ein-Pedal-Modus unterwegs ist. Zieht man vor einer Kurve die linke Wippe statt zu bremsen, kann das überraschend süchtig machen. Dazu kommt die voll unabhängige Radaufhängung, die Unebenheiten gut wegfiltert und Wankbewegungen begrenzt. Die Lenkung hat eine angenehm satte Gewichtung – im Gegensatz zum Fiat, dessen Lenkung praktisch immer sehr leichtgängig ist und nicht nur in der Stadt, wo das durchaus helfen kann.
Der Fiat wirkt insgesamt weniger ausgereift: Pedale und Lenkung fühlen sich weniger präzise und weniger progressiv an. Den 0–30mph-Ampelsprint kann er dank 162lb ft sofort anliegendem Drehmoment zwar ordentlich mitgehen, aber richtig Spass macht er nicht – selbst wenn es nur um die Kreisverkehre in der Innenstadt geht. Grip ist genug da, doch das leicht hüpfende Fahrwerk reagiert empfindlich, wenn mitten in der Kurve eine Bodenwelle kommt.
Schade ist auch, dass Fiat nur drei Fahrmodi anbietet. Sherpa sollte man meiden – der deaktiviert alles, was nicht zwingend nötig ist, und begrenzt die Leistung. Im Alltag bleibt damit Normal, wo das Auto frei rollen kann und Rekuperation erst in der ersten Pedalstufe einsetzt, oder Range, das auf volles Ein-Pedal-Fahren und maximale Rekuperation umstellt. Da viele Kunden vermutlich aus einem Verbrenner umsteigen, wäre ein sinnvoller Mittelweg klug gewesen – oder die Möglichkeit, die Rekuperation per Lenkradwippen zu dosieren. Stattdessen hat Fiat zusätzliche Lautstärke- und Skip-Tasten hinter dem Lenkrad platziert. Vielleicht sagt das etwas über die Prioritäten der Käufer aus …
Einordnung: Zweitwagen mit klaren Stärken
Trotzdem sollte man sich vor Vorurteilen gegenüber dem Fiat 500 hüten. Wie schon angedeutet, ist der vollelektrische 500 seinem Verbrenner-Pendant um Längen überlegen und wird für viele ein hervorragendes, „Eisbär-freundliches“ Stadtauto sein. Mit den realistischen 150 miles Reichweite könnte er sogar als einziges Auto funktionieren – sofern man nicht ständig auf Grossbritanniens Autobahnnetz unterwegs ist.
Beim Honda gilt das nicht, dennoch gewinnt er diesen Vergleich: wegen der höheren wahrgenommenen Qualität und des stimmigeren, befriedigenderen Fahrverhaltens. Er ist auch das Auto, in dem man sein will, das Auto, in dem man gesehen werden will – und das Auto, das man wirklich besitzen möchte. Als Zweitwagen trifft er den Sweet Spot.
Honda e Advance – 8/10
£29,160 otr/£29,710 as tested
e-motor, 36kWh battery, RWD, 152bhp, 232lb ft
0-62mph in 8.0secs, 100mph
137 miles claimed range/100 miles as tested
1555kg
Fiat 500 Icon – 7/10
£27,995 otr/£30,132 as tested
e-motor, 42kWh battery, FWD, 117bhp, 162lb ft
0-62mph in 9.0secs, 93mph
199 miles claimed range/150 miles as tested
1465kg
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