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Toyota Quantum: 600bhp Lamborghini-inspirierter Twin-Turbo-V12-HiAce aus Südafrika

Roter Van fährt auf Landstraße mit Hügeln im Hintergrund bei sonnigem Wetter.

Der Toyota Quantum (für den Rest der Welt schlicht: HiAce) gehört in Südafrika zum automobilen Alltag wie kaum ein anderes Fahrzeug – vor allem, weil er dort das Taxi der Nation ist. Doch so etwas hat dort bisher kaum jemand gesehen: ein knallorangefarbener, Lamborghini-inspirierter Quantum mit 600bhp und einem mittig im Bauch sitzenden Twin-Turbo-V12. Naja – zumindest fast komplett.

Südafrikas Taxi-Ikone: Toyota Quantum/HiAce im Alltag

Während wir geschniegelt wirkenden Briten auf schwarze Hackney Carriages setzen, die USA früher in gelben Crown Vics unterwegs waren und in Marokko vielerorts betagte Mercedes die Strassen prägten, rollt in Südafrika eine hochbeinige Kastenwagen-Variante durchs Leben. Meistens sind diese Busse überladen, und nicht selten wird gefahren, als gäbe es keine Verkehrsregeln – bis die Weisswandreifen praktisch bis aufs Gewebe runter sind.

Fotografie: Stefan Kotze

[Knoten: Karussell-Thema]

Wer ein paar Minuten lang gleichzeitig staunen und die Hände vors Gesicht schlagen will, sollte jetzt auf YouTube nach „South African Taxi Compilations“ suchen. Genau in diesem Umfeld ist die Idee entstanden: Ein enthusiastischer Tüftler hat beschlossen, einen Quantum genetisch mit Geist und DNA eines italienischen Supersportlers zu kreuzen.

Vom Bodykit zur V12-Idee: James Redelinghuys und die Eskalation

Der Mann hinter dem Projekt – James Redelinghuys – schreckt vor grossen Vorhaben nicht zurück. Alle paar Jahre nimmt er sich einen Umbau vor, der die Grenzen weiter nach aussen schiebt. Früher hat er einen ItalJet Dragster so getunt, dass er zu den schnellsten Scootern der Welt zählen sollte, und einen smart roadster in Sphären des Motortuning katapultiert, die sich wie „äusserste Atmosphäre“ anfühlen.

Diesmal brauchte er allerdings vor allem eines: Aufmerksamkeit für sein Taxi- und Minibus-Vermietgeschäft. Also sollte der verrückteste Minivan entstehen, den Afrika je gesehen hat – nur könnte er sich dabei etwas vorgenommen haben, das ihn überfordert.

Aus dem Ruder laufende Bauprojekte sind schliesslich kein neues Erzählmuster – Kevin McCloud hat daraus quasi eine Karriere gemacht. Trotzdem bleibt es fesselnd: Ehrgeiz und Selbstüberschätzung prallen auf unerwartete Probleme und wachsende finanzielle Lasten. Es ist ein Balanceakt, bei dem Lösungen oft so aussehen: mehr Geld, dann noch mehr Geld, dann wieder mehr Geld – bis am Ende der Sieg steht und das Ziel erreicht ist … selbst wenn man dafür am Ende pleite ist, geschieden und bis ans Lebensende Dairylea Dunkers zum Abendessen hat.

„Ich dachte, das wäre einfach“, gibt James zu. „Leider sieht es so aus, als hätte ich mir eines der schwierigsten Projekte überhaupt ausgesucht.“

Der ursprüngliche Plan klang tatsächlich simpel: ein richtig böser Quantum. Im März 2017 kaufte er – mit der Schrauberkompetenz seines Bruders im Rücken und dessen Porsche-Restaurationsbetrieb – einen serienmässigen Quantum mit 2,7-Liter-Motor und 158bhp. Da derselbe Motor auch im nahezu unkaputtbaren Toyota Hilux steckt, wurde er schon unzählige Male modifiziert. Die Idee: einen riesigen Turbo drauf, Leistung hoch, fertig.

Dann stolperte James über ein Bodykit im Netz.

„Da gibt es diese Firma in Japan, sie heisst S.A.D“, erzählt James. „Die bauen unglaubliche Lamborghini-Aventador-Bodykits für HiAces. Als ich das gesehen habe, wusste ich sofort: Das muss ich haben.“ Zusammen mit James’ Detailversessenheit und seinem Drang nach MEHR begann das Projekt genau hier zu kippen.

Weil die E-Mail-Kommunikation zwischen Kapstadt und Tokio nicht von allein lief, engagierte er einen lokalen japanischen Übersetzer als Schiedsrichter. Als die unlackierten Karosserieteile für fast 5.000 Pfund ankamen, war ihm klar: Der Serienmotor und die ursprüngliche Aufgabenstellung reichen nicht. Also schien ein 2JZ die logische Lösung zu sein – gut verfügbar, gut zu tunen, vermeintlich ein Selbstläufer.

Doch mitten in der Nacht kam ihm eine andere Idee.

„Ich bin um 4 Uhr morgens aufgewacht und dachte: Ein 2JZ reicht nicht. Ich brauche einen V12. Mittig. Wie ein Lamborghini!“

[Knoten: Gross-Story-Bild-links – Delta: 0]

Technik, Rückschläge und Kosten: Wenn „mehr“ zur Regel wird

Also kaufte er einen 5,0-Liter-V12 aus einem Toyota Century, der – wie es der Zufall wollte – irgendwo in Afrika gelandet war. Danach folgte der nächste Gedankensprung: Er würde den Motor gnadenlos auf Turbo umbauen. Aber auch das genügte ihm nicht. Also wurde daraus ein Twin-Turbo.

James macht nichts halbherzig – und vergleicht seine Tuning-Philosophie auf merkwürdige Weise mit einem flüssigen Abendessen.

„Wenn du eine Suppe kochst, muss sie eine Landschaft aus Zutaten sein. Du darfst nicht zu viel von einer Sache haben, alles muss zu gleichen Teilen da sein, damit es über den Gaumen fliesst und neutral bleibt. Bei Autos ist es genauso. Du willst nicht, dass eine Sache zu viel Aufmerksamkeit bekommt.“

So poetisch das klingt, so verrückt ist es auch. Denn selbst wenn bei James „alles gleich viel“ ist, ist jede einzelne Zutat extrem. Es wirkt, als bekäme man ein Full English Breakfast serviert – nur dass kein Bestandteil unter einer siebenstelligen Scoville-Zahl liegt.

An diesem Punkt begannen die echten Probleme. Mit dem riesigen Raum dort, wo normalerweise Passagiere sitzen oder Paletten geladen werden, wirkte es zunächst simpel: Loch in den Boden schneiden, den Bus quasi wie ein Kleid über den V12 fallen lassen.

War es nicht.

Die Kardanwelle wurde zum Albtraum und zählt zu den kürzesten der Welt – im Grunde nur ein Stummel aus zwei Kupplungen.

Und dann der Motor. Oder besser: die Motoren. James ist inzwischen beim dritten Aggregat, nachdem er zwei Stück auf dem Prüfstand geschrottet hat. Beim Fahrwerk hat er vier unterschiedliche Set-ups hinter sich. Los ging es mit einer doppelt triangulierten Hinterachsaufhängung, die unter Ladedruck an brutalem „Diff Steer“ litt. Am Ende kehrte er zurück zu Blattfedern – kombiniert mit Coilovern rundum.

Auch beim Differential ist es nicht beim ersten geblieben: Jetzt arbeitet ein LSD aus einem Mustang GT. Lackiert wurde ebenfalls mehrfach; nach drei Lackierungen setzt er nun auf einen vierlagigen Xirallic-Perleffekt, der sechsmal so teuer war wie der ursprüngliche Aventador-Lack. Zufrieden ist er trotzdem noch nicht.

Als ich ankomme, um mitzufahren, besteht der Innenraum im Grunde aus einem Sack öliger Knochen: Er existiert noch nicht, weil gerade neu bezogen wird. Wenn alles fertig ist, soll daraus ein schwarz-rotes Lederverlies werden – mit vier Schalensitzen und dem grossen V12-Klotz als Fussstütze. M5CS, zieh dich warm an.

Wie bei allen grossen Grand-Designs-Geschichten wurde das Vorhaben mehrfach umfinanziert. Und weil das Projekt so viel Geld verschlungen hat, steht der Bus bereits auf Gumtree – obwohl er noch im Aufbau ist –, um wenigstens einen Teil der Mittel zurückzuholen. Klassischer Fall von: zu tief drin, um aufzuhören. Also macht er weiter.

Auf der Strasse: Wie sich der 600bhp Twin-Turbo-V12-Quantum anfühlt

Und ja: Als Taxifahrt ist das ein Erlebnis. Bevor die beiden Turbos richtig wach werden, liefert der grosse 5,0-Liter-Block zunächst 542bhp und 515lb-ft (ca. 698 Nm). Dann baut der Quantum Leistung auf wie ein Diesel – und sobald der Ladedruck steht, geht die Party los. Du greifst zur Drei-Gang-Box mit Pistolengriff und knallst den nächsten Gang rein.

Er ist auf seltsame Weise alltagstauglich und zum Brüllen komisch, wenn er einmal im Rhythmus ist. Das Fahrwerk wirkt komfortabler, als es die tiefere Optik vermuten lässt. Und er bremst – was angesichts der Serienscheiben eine echte Erleichterung ist. Allerdings war der Wagen als Kastenwagen für eine Nutzlast von 3 Tonnen ausgelegt; dieses Projekt liegt deutlich darunter, daher sieht James keinen Anlass für ein Upgrade. Das passt vielleicht nicht ganz zur Suppen-Analogie – aber sei’s drum.

Auch wenn dieser irre Quantum für dein Bankkonto ein Albtraum ist: Solche Autos und Projekte braucht die Welt. Sie sind unnötig – und genau deshalb so grossartig. Ein 600bhp Lamborghini-inspirierter Twin-Turbo-V12-Minibus als Taxi muss existieren. Einfach so. Eigentlich bräuchte es dafür eine neue Uber-Kategorie. Für alle, die sich trauen zu träumen. Wir können es kaum erwarten, ihn fertig zu sehen. Falls das jemals passiert.

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