Einordnung: Was ist das hier überhaupt?
Anschnallen: Der Volkswagen Polo bekommt eine Modellpflege zur Lebensmitte – und wir schauen uns den „neuen“ Volkswagen Polo an. Ja, das klingt erst mal nach Aufregung im Kleinwagen-Format.
Modellpflege? Optisch sehe ich kaum etwas … Stimmt, von einer radikalen Verjüngungskur kann keine Rede sein. Laut Volkswagen gibt es überarbeitete Front- und Heckstossfänger, dazu den mittlerweile obligatorischen Feinschliff: optional erhältliche LED-Scheinwerfer. Realistisch betrachtet: Wer die Unterschiede auf Anhieb erkennt, hat vermutlich sehr viel Freizeit.
Motorenwechsel: 1.0-Dreizylinder statt 1.2-Liter-Benziner
Gibt es denn wenigstens technische Neuerungen? Die wichtigste Änderung steckt unter der Haube: Der bisherige Bestseller, der 1.2-Liter-Benziner, wird durch den 1.0-Liter-Dreizylinder aus dem Up ersetzt. Angeboten werden zwei Leistungsstufen mit 59bhp oder 74bhp; beide liefern 71lb ft Drehmoment (96 Nm). Entsprechend ist die Beschleunigung kein Spektakel: 0–62 mph (0–100 km/h) dauern 15.5 Sekunden bzw. 14.3 Sekunden.
Oha. Klar ist: Die 0–62-Zeit ist definitiv nicht das Kernthema dieses Autos. Der Polo spielt seine Stärken vielmehr beim entspannten Pendeln in der Stadt aus – und dafür passt der 1.0-Liter sehr gut. Wobei: vor allem in der 74bhp-Ausführung.
Er hält auch Autobahntempo durch (sofern man die Geduld hat, bis dahin zu kommen) und wirkt dabei erstaunlich kultiviert. Ehrlich: so leise wie ein BMW 3er. Eine lange Autobahnstrecke wäre damit zwar gemächlich, aber keineswegs unerquicklich.
In der Stadt ist genügend Zugkraft vorhanden, ausserdem federt er ordentlich. Dazu kommen deutlich bessere Verbrauchs- und CO2-Werte als beim alten 1.2: Offiziell liegt der Polo nun bei 59.8mpg und 108g/km – oder beim schwächeren Motor bei 60.1mpg und 106g/km.
Du klingst ziemlich angetan. Bis zu einem gewissen Punkt. Der stärkere 1.0-Liter wirkt gerade so kräftig genug, der kleinere dagegen muss deutlich mehr schuften. Im Up funktioniert das noch, doch der Polo bringt 100kg mehr auf die Waage. Steigungen werden zur Geduldsprobe, und Überholen auf Landstrassen kann man praktisch vergessen.
Wir würden zum 74bhp-Polo greifen – schon weil er nur £525 mehr kostet. Schnell ist auch der nicht, aber im direkten Vergleich fühlt er sich spürbar flotter an als die Basisversion.
Infotainment: Touchscreen, Android und MirrorLink
Wurde sonst noch etwas angepasst? Es gibt einen neuen Touchscreen, der serienmässig für alle Ausstattungslinien ausser dem Basismodell erhältlich ist und nun mit diversen Android-Handys zusammenarbeitet. Apple macht bei VW vorerst nicht mit – wer ein iPhone nutzt, darf gedanklich direkt zur nächsten Frage springen.
Alle anderen können für £150 eine Funktion namens MirrorLink bestellen. Damit lässt sich das Smartphone per USB mit dem Auto verbinden; der Bildschirm im Armaturenbrett spiegelt dann die Handyoberfläche, sodass man auf die eigenen Apps zugreifen kann.
Das Telefon bleibt dabei das „Gehirn“ des Systems. Gleichzeitig erkennt das Auto, wenn man fährt, und erlaubt unterwegs nur freigegebene Apps. YouTube-Videos von einem Leoparden, der ein Krokodil frisst, während der Fahrt – leider nein.
Grundsätzlich funktioniert das ordentlich, aber allein wegen MirrorLink würden wir uns nicht für einen Polo entscheiden. Das wirkt wie eine Lösung für frühe Anwender.
Ausblick: Volkswagen Polo GTI
Gibt es noch etwas, das ich wissen sollte? Vermutlich interessiert dich eher der Polo GTI. Die gute Nachricht: Auch er erhält zum Jahresende eine Modellpflege – inklusive eines „richtigen“ Handschaltgetriebes. Hurra! Ausserdem steigt die Leistung auf 190bhp. Hurra, nochmal! Die schlechte Nachricht: Wir sind ihn noch nicht gefahren.
Dann warte ich vielleicht lieber … Den neuen Polo sollte man trotzdem nicht vorschnell abhaken. Er ist sicher kein Pulsbeschleuniger, aber wenn Verarbeitungsqualität und Komfort ganz oben auf deiner Liste stehen, ist er so gut wie jeder andere Kleinwagen in diesem Segment.
6/10
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