Mit elektrischem Hinterradantrieb überrascht der Jeep Avenger 4xe abseits des Asphalts – und auch auf der Strasse. Allerdings steht der Allradantrieb nicht in jeder Situation zur Verfügung.
In einer Zeit, in der praktisch alles „hybridisiert“ wird, erweitert der Jeep Avenger 4xe die Baureihe um eine Variante mit Allradantrieb. Bislang bestand das Angebot aus Benzinmotoren, einem 48-V-Mildhybrid sowie einer rein elektrischen Version.
Für den neuen 4xe wählte Jeep eine Lösung, bei der dem 48-V-Mildhybrid ein zusätzlicher Elektromotor hinzugefügt wird: Damit arbeiten nun zwei E-Motoren zusammen mit einem Verbrenner. Der vordere E-Motor sitzt in der 6-Gang-Doppelkupplungsautomatik, der zweite ist in die Hinterachse integriert. Beide unterstützen den 1,2-Liter-Turbobenziner mit drei Zylindern dabei, besser voranzukommen und zugleich weniger Kraftstoff zu verbrauchen.
Zusätzlich helfen die Elektromotoren immer dann, wenn auf ruppigem Untergrund oder bei moderaten Verschränkungen die Traktion knapp wird – etwa in Schlamm, auf Schotter, Eis und ähnlichen Bedingungen.
Kurz gesagt: Der Avenger wird „mehr Jeep“, obwohl keine Kardanwelle die beiden Achsen miteinander verbindet.
Je nach Ausführung des 48-V-Hybrid-4xe – Upland, Overland und Northface Edition – unterscheidet er sich zudem von den stärker urban ausgerichteten Varianten. Aussen fallen neu gestaltete Stossfänger mit kratzfestem Finish auf, Unterfahrschutz aus Stahl an Front und Heck, verstärkte Dachreling, Abschlepphaken sowie grüne Akzente an der Karosserie.
Innen gibt es unter anderem einen schwarzen Dachhimmel sowie Sitzbezüge aus flecken- und schlammabweisenden Stoffen.
Freiheit abseits des Asphalts
Für mehr Bewegungsfreiheit im moderaten Gelände legt der Avenger 4xe beim Bodenabstand um 10 mm zu (insgesamt 210 mm). Damit ist dieser Jeep für solche Einsätze deutlich besser gerüstet als Rivalen wie der Toyota Yaris Cross Hybrid (170 mm) oder der Suzuki Vitara Hybrid (175 mm).
Zur gesteigerten Geländetauglichkeit trägt ausserdem die neue, unabhängige Hinterradaufhängung mit Mehrlenker-Konstruktion bei. Gegenüber der Verbundlenkerachse der übrigen Avenger-Versionen ermöglicht sie eine grössere Achsverschränkung und schafft zugleich Platz für den Elektromotor an der Hinterachse.
Der 1,2-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner leistet maximal 136 PS. Unterstützt wird er von den zwei bereits erwähnten Elektromotoren mit identischer Leistung (21 kW oder 29 PS), jedoch unterschiedlichem Drehmoment: 55 Nm vorn und 88 Nm hinten – jeweils achsweise.
Die kombinierte Maximalleistung der drei Aggregate beträgt 145 PS – exakt wie beim Junior Ibrida Q4. Geschaltet wird über die erwähnte Automatik, die sich bei Bedarf auch per Schaltwippen hinter dem kleinen Lenkrad bedienen lässt.
Gutes Leistungsniveau
Der Antrieb spricht angenehm spontan an, besonders aus niedrigen Drehzahlen heraus – nicht zuletzt, weil elektrische Unterstützung stets unmittelbar anliegt. Mit 194 km/h Höchstgeschwindigkeit und 9,5s für den Sprint von 0 auf 100 km/h belegt der Avenger 4xe, dass er „schnell genug“ ist und die beiden genannten asiatischen Konkurrenten in beiden Disziplinen übertrifft.
Wer die Wippen am Lenkrad nutzt, kann den Motor allerdings leicht in zu hohe Drehzahlbereiche treiben. Dann klingt der Dreizylinder weniger kultiviert, und zugleich steigen die Verbräuche spürbar.
Jeep nennt 5,4 l/100 km, in diesem 64-km-Test lagen wir jedoch deutlich darüber. Der Hauptgrund: Es handelte sich überwiegend um eine Bergauffahrt bis zur Offroad-Strecke.
Allradantrieb nur bis 90 km/h
Zur Wahl stehen vier Fahrmodi (Auto, Sport, Mud/Sand und Snow), die über einen Dreh-/Wahlschalter auf der Mittelkonsole zwischen den Vordersitzen aktiviert werden.
Das System hat dabei einige Besonderheiten – unter anderem gilt unabhängig vom gewählten Modus: Über 90 km/h fährt der Avenger 4xe nur mit Frontantrieb.
In den stärker auf Gelände ausgelegten Programmen – Mud/Sand und Snow – liegt bis 30 km/h permanenter Allradantrieb an. Zwischen 30 km/h und 90 km/h wird 4×4 nur bei Bedarf zugeschaltet, also sobald das System Schlupf an den Vorderrädern erkennt – genau wie im Auto-Modus.
Im Sport-Modus rufen alle drei Motoren bis 40 km/h ihre maximale Unterstützung ab, um die Beschleunigungsreaktion zu schärfen. Oberhalb dieser Geschwindigkeit bleibt auch der Avenger 4xe im reinen Frontantrieb.
In den Offroad-spezifischen Modi sind ausserdem Traktions- und Stabilitätsregelung anders abgestimmt, damit selbst leichter Schlupf nicht sofort durch elektronische Eingriffe unterbunden wird.
Spezifische Fahrmodi
Eine der grössten Stärken dieses (part-time) Allradsystems: Es kann auch aus sehr anspruchsvollem Terrain heraushelfen, selbst wenn die Vorderräder keinerlei Grip finden und die kleine Batterie leer ist.
Möglich wird das, weil der hintere Elektromotor weiterhin Energie erhalten kann – der vordere E-Motor übernimmt dann zusätzlich die Rolle eines Generators.
Jeep-Ingenieure erklären, das Fahrzeug könne in schwierigem Gelände Steigungen bis 40% bewältigen und dabei bis zu 20% Traktion aufrechterhalten, wenn die Vorderachse wenig oder gar keine Haftung hat.
Auch wenn wir diese Prozentwerte nicht exakt nachmessen konnten, zeigte die Offroad-Passage klar: Der Avenger 4xe kommt mit jedem moderaten Hindernis zurecht, das sich ihm in den Weg stellt.
Die Kehrseite: Oberhalb von 90 km/h steht beim Jeep Avenger 4xe nie Allradantrieb zur Verfügung. Damit fehlt beispielsweise auf nasser Fahrbahn auf Schnellstrassen der zusätzliche Sicherheitsgewinn, den ein permanenter 4×4 bieten könnte.
Auf Asphalt unterscheiden sich Auto und Sport zudem durch die Gaspedal-Kennlinie und das Lenkgefühl – im Sport-Modus reagiert das Pedal direkter, die Lenkung wirkt straffer beziehungsweise „schwerer“. Beide Effekte sind gut spürbar. Auffällig ist jedoch, dass die Umstellung nach Druck auf den jeweiligen Modus rund zwei Sekunden benötigt – eine Verzögerung, die sich bei vielen Stellantis-Modellen zeigt.
Das Verhältnis aus Stabilität und Komfort verdient Lob – unser Testwagen stand auf 215/60 R17. Die neue Hinterachskonstruktion verbessert die Fähigkeit, Unebenheiten zu schlucken, besonders für Passagiere im Fond. Das Bremspedal fühlte sich am Anfang des Pedalwegs allerdings etwas schwammig an.
Innenraum: kaum Veränderungen
Das Armaturenbrett des Avenger 4xe folgt demselben minimalistischen Layout wie bei den übrigen Versionen. Statt eines klassischen Wählhebels gibt es Tasten (Parking, Rear, Neutral, Drive). Positiv – und passend zu einer Marke, die Funktionalität betont –: Für die Klimatisierung kommen herkömmliche, leicht verständliche Bedienelemente zum Einsatz.
Die Oberflächen bestehen durchweg aus harten Kunststoffen, was jedoch zur Grundidee des Fahrzeugs passt. Dazu kommen je nach Variante verschieden viele und unterschiedlich farbige Akzente – teils auch mit 4xe-Logo.
Einige Details zeigen dennoch, dass stark auf Kosten geachtet wurde: Der Bereich der Innenraumleuchte beim Innenspiegel wirkt in der Anmutung weniger hochwertig, Schraubenköpfe bleiben sichtbar, und sowohl die Türfächer als auch das Handschuhfach sind innen ohne Verkleidung ausgeführt.
Sowohl das Kombiinstrument als auch der Zentralbildschirm messen 10,25”. Grafikdarstellung und Infotainment-Software erschliessen sich schnell, die Bedienlogik wirkt intuitiv und die Anzeigen sind klar.
Trotzdem ergibt die Anzeige „Durchschnittsverbrauch“ im Kombiinstrument nur bedingt Sinn, wenn im gleichen Menü zusätzlich die Zeit – in Prozent – ausgewiesen wird, in der das Auto rein elektrisch gefahren ist. Kabelloses Apple CarPlay und Android Auto gehören serienmässig dazu.
Ausreichend Platz
Der Jeep Avenger gehört beim Raumangebot nicht zu den Klassenbesten, dennoch können vier Erwachsene mit 1,80 m Körpergrösse mit genügend Platz reisen.
Ein dritter Mitfahrer in der Mitte sitzt – wie in diesem Segment üblich – deutlich enger und auf einem härteren, schmaleren Platz. Immerhin fällt der Mitteltunnel relativ niedrig und schmal aus, und die Rücksitze sind höher montiert als die vorderen, was einen leichten „Theater“-Effekt erzeugt.
Der Kofferraum ist mit 325 Litern nicht gross und liegt wegen des Elektromotors über der Hinterachse um 55 Liter unter dem Volumen der übrigen Avenger-Versionen. Er ist jedoch – wenn auch nur knapp – grösser als beim Toyota Yaris Cross Hybrid (320 l) und beim Suzuki Vitara Hybrid (289 l).
Preis und Rivalen
Der Jeep Avenger 4xe startet in der Basisversion Upland bei 34 237 Euro. Das sind rund 3000 Euro mehr als beim Suzuki Vitara 4WD Mild-hybrid, aber nahezu 5000 Euro weniger als beim italienischen „Cousin“ Junior Ibrida Q4.
Über dem Upland positioniert Jeep den besser ausgestatteten Overland, der bei 36 237 Euro beginnt. An der Spitze steht eine limitierte Sonderedition, die gemeinsam mit The North Face entwickelt wurde. Sie ist auf 4806 Exemplare begrenzt – als Verweis auf die Höhe des Mont Blanc, des höchsten Bergs Europas. Hier startet der Preis bei 40 237 Euro.
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