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Jeep Renegade: Neuer Fahrbericht

Roter Jeep fährt durch schlammige Waldstrecke und spritzt Wasser auf beiden Seiten hoch.

Positionierung und Grösse des Jeep Renegade

Der Jeep Renegade – ist das also ein neues Modell?

Ja. Jeep bezeichnet sich zwar gern als Erfinder des SUV, doch in der stark wachsenden Crossover-Klasse fehlte bislang ein wirklich konkurrenzfähiger Gegenentwurf. Genau das soll der Renegade nun liefern. Offizielle Preise sind noch nicht bestätigt, für Europa heisst es aber, dass der Einstieg unter der Marke von 20.000 Euro liegen soll.

Wie klein ist er denn?

Mit 4232 mm Länge liegt er grössenmässig fast deckungsgleich mit einem Skoda Yeti (dem besten Auto, das je gebaut wurde – selbstverständlich). Und genau dieses Modell nennt Jeep, neben dem Mini Countryman, besonders häufig als Vergleich, wenn es um den Renegade geht.

Design und Innenraum: viele Jeep-Zitate

Optisch trägt der Renegade klar bekannte Jeep-Merkmale: der Grill mit senkrechten Streben und die runden Scheinwerfer erinnern an den alten Willys Jeep ebenso wie an den Wrangler, und die Seitenansicht weckt eine Spur klassischer Cherokee-Anmutung. Ausserdem haben die Gestalter innen wie aussen reichlich Verweise auf die Jeep-Historie verteilt – manche davon wirken allerdings ein wenig … billig.

Zum Beispiel …?

Rund um den Touchscreen ist „Since 1941“ eingraviert, eine Grafik der Willys-Front prangt an den unterschiedlichsten Stellen – von den Lautsprechern bis in die Linsen der Rückleuchten – und im Drehzahlmesser ersetzt ein Schlammspritzer die rote Markierung. Und dann wäre da noch die mittlere Luftauslass-Einheit im Armaturenbrett: Ihre Form orientiert sich am Kopf von E.T.

Das ist ähnlich bemüht wie bei einem Mini und trifft sicher nicht jeden Geschmack – aber warum auch nicht. Im nahezu gesättigten Crossover-Segment gibt es genug geschniegelt-ernste Alternativen. Da ist ein Kandidat, der sich nicht permanent bierernst nimmt, durchaus willkommen.

Offroad-Technik, Motoren und Fahreindruck

Nimmt er sich dort ernst, wo es wichtig ist?

Möglicherweise sogar ernster, als es zwingend nötig wäre. Zwar wurde der Renegade gemeinsam mit dem kommenden Fiat 500X entwickelt – beide teilen sich Chassis-Aufnahmepunkte und Radstand sowie das Werk in Melfi (Italien) – doch danach trennen sich die Wege konzeptionell deutlich.

In den USA, wo Jeep erwartet, sehr viele davon zu verkaufen, wird Geländetauglichkeit ausgesprochen hoch bewertet. Entsprechend gibt es echte Technik dafür. Frontantrieb ist zwar Serie, zusätzlich stehen aber zwei AWD-Varianten bereit. Die kompromissloseste Ausführung bringt Bergabfahrhilfe, eine Kriechuntersetzung und mehr Bodenfreiheit mit. Beide Versionen verfügen über einen verstellbaren Fahrmodus-Drehregler mit Programmen wie Schnee, Matsch und Sand – praktischerweise kann man ihn auch einfach auf „Auto“ stehen lassen.

Wir sind den Trailhawk als Topmodell gefahren, also die Variante mit dem ernsthafteren Setup – und die ist tatsächlich sehr fähig. Er klettert und rollt über anspruchsvolle Anstiege und Gefälle, ohne sich allzu schwerzutun, und verteilt das Drehmoment gleichmässig auf die Räder, die noch Bodenkontakt haben, selbst wenn andere bereits in der Luft hängen. Wie viele Kunden das jemals nutzen werden, ist natürlich verschwindend gering. Wer jedoch einen „echten“ Jeep erwartet, bekommt mit dem Renegade zumindest dieses Häkchen gesetzt.

Und auf der Strasse?

Völlig in Ordnung. Der Federungskomfort ist überwiegend angenehm, die Geräuschkultur geht trotz kantiger Flanken und spezieller Technik untenrum klar, und die Haftung ist sowohl bei den Fronttrieblern als auch bei den Allradversionen überzeugend. Er fährt kompetent, ohne wirklich zu unterhalten – damit bleibt er in diesem Punkt hinter Skoda und Mini –, aber störend ist er nie.

Die Auswahl an aufgeladenen Benzin- und Dieselmotoren kennt man aus Fiat- und Alfa-Modellen; besonders gefragt dürfte ein 1,6-Liter-Diesel mit 118 PS sein, der den Renegade im Alltag gerade ausreichend voranbringt (schnell ist er allerdings nicht). Der 2,0-Liter-Diesel mit 168 PS wirkt insgesamt deutlich überzeugender, wird aber voraussichtlich spürbar teurer ausfallen – vor allem in Kombination mit der Neungang-Automatik, die sehr gut zu ihm passt.

Neun Gänge?

Ja – und vermutlich nicht ohne Grund gibt es keine Schaltwippen: Wenn man manuell über den Wählhebel eingreift, kann man sich mit so vielen Stufen schnell „verlaufen“. Im Automatikbetrieb sind die Wechsel nicht so unmittelbar und unmerklich wie bei einem gut abgestimmten Doppelkupplungsgetriebe, doch das spielt kaum eine Rolle. Die Schaltlogik wählt ihre Stufen klug, und beim Zurückschalten bleibt alles angenehm weich. Kein einziges Mal haben wir geflucht, weil der falsche Gang anlag – und auch den anspruchsvollen Offroad-Parcours hat das Getriebe nebenbei problemlos gemeistert.

Zusätzlich gibt es eine manuelle Alternative, die die US-Onlinepresse sehr begeistert hat. Ja: Das ist weiterhin ein Jeep, bei dem man „shift stick“ kann – die meisten Versionen haben ein Sechsgang-Schaltgetriebe, nur der robusteste Trailhawk nicht.

Ausstattung, Assistenzsysteme und Individualisierung

Gibt’s noch mehr Technik, die ich kennen sollte?

Jeder Renegade hat serienmässig einen 5-Zoll-Touchscreen und Bluetooth; in höheren Ausstattungslinien gibt es einen 6,5-Zoll-Bildschirm mit Navigationssystem sowie ein TFT-Display zwischen den Rundinstrumenten. Auch bei den Sicherheitsfeatures steht etwas auf der Optionsliste, darunter Spurhaltewarnung und Kollisionsvermeidungssysteme, die sich heute zunehmend als de rigeur anfühlen.

Wetten, dass es auch unzählige Personalisierungsoptionen gibt …

Genau. Die Farbpalette ist kräftig: Zu klassischen Offroad-Grüntönen und Braunnuancen kommen deutlich lebendigere Orange-, Gelb- und Blautöne. Dazu gibt es eine grosse Auswahl an Alufelgen, Aufkleber im US-Army-Stil und – wer sich wirklich durch den Zubehörkatalog wühlt – die verschiedensten ansteckbaren Zelte und Kajakträger. Ein Crossover wäre kein Crossover, wenn nicht auch ein paar Outdoor-Hobby-Klischees mitgeliefert würden.

Marktstart und Preis

Wann kann ich einen kaufen?

In den meisten europäischen Märkten steht die Einführung unmittelbar bevor, in Grossbritannien startet der Verkauf im ersten Quartal 2015. Wenn Jeep die Preisgestaltung trifft, dürfte der Renegade ein starkes Argument für sich selbst liefern: Er bringt echte Offroad-Fähigkeiten mit und eine Portion Spass, die einigen Rivalen abgeht. Nur vom Thron als „bestes Auto der Welt“ hat er den Skoda bislang noch nicht gestossen.

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