In vielerlei Hinsicht liegen der BMW M3 Touring und der Porsche Taycan Sport Turismo GTS erstaunlich dicht beieinander. Bis rund 160 km/h sind sie nur um ein paar Zehntel auseinander, beide verfolgen einen klar sportlichen Anspruch und beide sind bereit, dafür im Alltag gewisse Kompromisse einzugehen. Gedanklich trennen sie jedoch Welten.
In der Welt der Performance-Autos ist die Kluft zwischen Elektro und Benzin grösser als die zwischen Kombi und SUV. Es sind nicht nur die praktischen Themen rund ums Leben mit einem Elektroauto – und auch nicht nur Laufruhe und Stille. Der Antrieb prägt vielmehr den Charakter so stark, dass er in jeden Bereich des Autos hineinwirkt. Und das ausgerechnet in einer Klasse, die sich an Menschen richtet, die Autos lieben. Das lässt mich ehrlich fragen, ob überhaupt jemand das eine wirklich gegen das andere quervergleicht. Ich kann es mir kaum vorstellen.
Fahrdynamik: Taycan Sport Turismo GTS als Massstab
Beides sind herausragend gute Autos – das muss zuerst gesagt werden. Kein Elektroauto fährt sich und lenkt so überzeugend wie der Porsche Taycan, und innerhalb der Baureihe trifft das besonders auf den GTS zu. Der Turbo S mag noch schneller sein, aber hier sitzt der Treffer in der Mitte: 590 bhp kombiniert mit einem Fahrwerk, das 20 Prozent mehr Wanksteifigkeit als der Turbo S mitbringt. Das Ergebnis: flach in der Kurve, präzise, knackig, schnell.
Fotografie: Mark Riccioni
[Platzhalter: Karussell (Thema)]
Beim M3 Touring ist die Karosseriekontrolle nicht auf exakt diesem Niveau – wobei man fairerweise sagen muss: Kein Benziner profitiert von der Möglichkeit, eine derart dichte, schwere Masse tief zwischen die Achsen zu packen. Zudem ist der Porsche länger, breiter und deutlich flacher. Aber lassen wir die reine Wank- und Aufbaubeherrschung einmal kurz beiseite. Sie steigert das Sicherheitsgefühl für alle an Bord, klar – doch das eigentliche Thema liegt noch darüber.
Spassfaktor und Charakter: Warum der BMW M3 Touring mehr berührt
Macht es Spass? Macht es glücklich? Für mich gibt es hier einen eindeutigen Sieger – und der heisst nicht Porsche. Wenn mir jemand beide Autos hinstellen und sagen würde, ich müsse mit einem davon einen Kumpel mitnehmen, dann wäre es jedes Mal der BMW. Er klingt, er wirkt lebendig, er bewegt sich spürbar, du kannst ihn in den 2WD-Krawallmodus schalten – er ist interaktiver, lustiger, mehr Klamauk. Und das gilt nicht nur zu zweit, sondern genauso allein. Oder wenn die Familie mitfährt. Der Porsche ist bei all seinen Talenten ein bisschen zu ernst. Tief befriedigend und enorm kompetent, ja – aber der BMW hat Humor. Muss er auch haben, denn mal ehrlich: Habt ihr gesehen, was sie mit der Nase angestellt haben?
„Der BMW hat Humor. Muss er auch haben, denn mal ehrlich: Habt ihr gesehen, was sie mit der Nase angestellt haben?“
Als Kombi – besonders in diesem Frozen Portimao Blau – lenkt er ausserdem stärker ab. Die betonte Hinterhand in der Dreiviertelansicht ist ein echter Blickfang, und insgesamt wirkt das Auto stimmiger und besser ausbalanciert. Trotzdem sieht er für mich nicht nach 85.000 Pfund aus, während der glatte, flache und elegante Porsche den Aufpreis von 107.000 Pfund überzeugender trägt. Das liegt auch daran, dass wir innerlich weiterhin erwarten, ein 3er müsse „seinen Platz kennen“ und sich in eine Modellhierarchie einordnen. Aber ich sage es ganz deutlich: Ich würde den M3 Touring jedem anderen schnellen Kombi vorziehen – inklusive E63 und RS6. Das Gesamtpaket passt, vor allem die Grösse.
Die nächste Fahrzeugliga nimmt schlicht mehr Platz auf der Strasse ein. Selbst der Taycan ist – obwohl nur 60 mm breiter – beim Platzieren auf der Fahrbahn einen Tick anspruchsvoller. Der M3 passt. Und seine 500 bhp liefern Leistung, die sich mit den 600 bhp der nächsthöheren Klasse messen kann. Wir haben am Touring keine Messgeräte montiert; wenn ihr wollt, könnt ihr zu den Limousinenwerten ein bis zwei Zehntel addieren: 3,2 s auf 97 km/h, 7,4 s auf 161 km/h, 11,4 s bei 200 km/h für die stehende Viertelmeile (402 m). Brüllend schnell, oder? Er liegt genau zwischen E63 und RS6. Der Taycan, 450 kg schwerer, kommt laut Hersteller auf 3,6 s und 11,8 s für die Viertelmeile.
Alltag, Reichweite und Nutzwert
Trotzdem fühlt sich der Taycan in praktisch jeder realen Situation wie das schnellere Auto an. Es ist die Reaktion, die Kontrolle, die Leichtigkeit. Wenn du zügig anfährst, störst du nicht gleich den Frieden – das Auto windet sich nicht, es schiesst einfach leise und mühelos davon. Das Fahrpedal ist exakt und gut vorhersehbar, die Kraft steht jederzeit bereit, und du musst dir nie Gedanken über ein Getriebe-Management machen. Auf der Autobahn in den Verkehr einfädeln, Lücken nutzen – all das wird unkompliziert und leicht erreichbar. Genau diese Mühelosigkeit macht den Taycan so alltagstauglich.
Ich wünschte, Porsche würde seine Zurückhaltung bei der Energierückgewinnung ablegen. Gebremst wird über das Bremspedal – selbstverständlich – aber ich mag es, per Schaltwippen oder durch Lupfen des Pedals eine spürbare Verzögerung zu erzeugen; das gibt dir direkt das Gefühl, dass du Energie zurückholst. Andererseits macht der Taycan beim Lupfen etwas anderes, das ebenfalls Freude bereitet: Er gleitet einfach weiter. Masse plus niedriger Luftwiderstand (0,25 Cd) sorgen dafür, dass er ausgezeichnet segelt.
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So oder so wird er nicht so weit kommen – und auch nicht so unkompliziert – wie der M3. Mit einem 59-Liter-Tank fährst du rund 563 km, bevor ein stressfreier Stopp von fünf Minuten reicht. Eine 83,4-kWh-Batterie (nutzbar) im Februar bedeutet ungefähr die halbe Reichweite des BMW – plus die dazugehörige Infrastruktur-Sorge. Diese Angst macht den Porsche eher zu einem Kurzstrecken-Kandidaten. Und als Familien-Urlaubsauto eignet er sich ohnehin nicht besonders leicht.
Auf dem Papier klingt der 446-Liter-Kofferraum gar nicht so weit weg von der 500-Liter-Region des M3. In der Praxis ist der Porsche aber deutlich enger geschnitten: intrusive Radkästen hinten und eine stark abfallende Heckklappe. Die Volumina mit umgeklappten Sitzen zeigen den Unterschied klarer, 1.212 Liter gegenüber 1.510. Wie Ollie Kew kürzlich gezeigt hat, passen zwei Bernhardiner in den BMW. Im Porsche hätten sie es deutlich intimer gehabt. Dazu kommen die separat zu öffnende Heckscheibe beim BMW sowie die besseren Platzverhältnisse im Fond für Beine und Kopf – insgesamt ist er schlicht das funktionalere, vielseitigere Auto.
Innenraum und Bedienung: Reduktion trifft Reizüberflutung
Bis du vorne Platz nimmst. Ich habe im Kern nur ein grosses Problem: Das Ganze wirkt zu sehr nach Marketingabteilung. Alberne Grafiken, leuchtende Embleme, Farben, Modi, visuelle Unruhe. BMW, bitte einmal durchatmen – diese Reizüberflutung ist nicht nötig. Der Porsche dreht all das wirkungsvoll herunter. Sein Innenraum ist einfacher, logischer, konzentrierter. Über die optionalen Carbon-Schalensitze im M3 mit dem Spreiz-Einsatz ist bereits viel geschrieben worden. Inzwischen gehen sie mir wirklich auf die Nerven – und nicht nur, weil sie Linksbremsen umständlich machen: Ein- und Aussteigen ist buchstäblich schmerzhaft.
Zum Glück ist das Fahrerlebnis im M3 Touring stark von Ingenieursarbeit geprägt. Er federt gut, am Heck spürbar komfortabler als andere Varianten, und zusammen mit der giftigen Drehmomentabgabe sorgt das dafür, dass du die Bewegungen des Autos wahrnimmst. Er kauert sich, er rollt ein wenig, er wirkt auf der Strasse nicht so angespannt wie der Taycan. Und der 4WD-Sportmodus ist grossartig – ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass es aktuell ein besseres Performance-Allradsystem gibt. Dass es sich wie Heckantrieb anfühlt und gleichzeitig im exakt richtigen Moment genau die passende Kraft an das richtige Rad schiebt, ist verblüffend.
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Und je mehr ich diesen Motor nutze, desto höher schätze ich ihn ein. Selbst die Abstimmung der Achtstufen-Automatik wirkt hier besser gelungen als in anderen M3. Ich hatte grossen Spass am Fahren und empfand ihn als offeneres, einnehmenderes Auto als den Taycan GTS. Der wiederum ist makellos sortiert. Ab und zu ein Hauch von Hoppeln, weil er straff und steif abgestimmt ist, doch Grip, Traktion aus Kurven, wenn er aussen hinten Last aufbaut, und die Art, wie das Torque Vectoring verwaltet wird – das ist sehr, sehr clever. Gleichzeitig ist es ein höchst wirksames und durchaus vergnügliches Auto. Wenn es nach mir ginge, würde ich allerdings eher den etwas höhergelegten Cross Turismo anschauen.
Am Ende gewinnt hier für mich der M3 Touring. Vielleicht ist das die rosarote Brille, weil wir uns dieses Auto so lange gewünscht haben – aber ich glaube, BMWs Ingenieure haben ähnlich empfunden und sind die Extrameile gegangen. Vielleicht siehst du das genauso, vielleicht auch nicht. Und ich bezweifle, dass irgendetwas von dem, was ich hier schreibe, einen Taycan Sport Turismo Käufer dazu bringen würde, stattdessen zum M3 Touring zu wechseln. Immerhin: Anscheinend ist die Warteliste inzwischen ein Jahr lang.
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