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Citroën Ami und Jeep Avenger: zwei sehr unterschiedliche City Cars

Gelber Jeep SUV fährt auf einer sonnigen Straße in einer städtischen Umgebung mit Backsteingebäuden.

Ein „City Car“ lässt sich kaum eindeutig definieren

Ein „City Car“ ist überraschend schwer zu greifen. Wenn man sieht, wie viele davon in London unterwegs sind – und wie selten sie auf Autobahnen auftauchen –, könnte man fast meinen, das beste Exemplar sei ein Mercedes-AMG G63. Wer sich den irrwitzigen Kauf- und Unterhaltsaufwand „schönrechnet“, schwärmt von der langhubigen Federung für Temposchwellen, der panzerartigen Solidität und einem Fahrersitz, der so hoch platziert ist, dass man sich von niemandem beeindrucken lassen muss. Und vermutlich drängt er ohnehin alle anderen aus dem Weg.

Für mich wäre das nichts: zu wuchtig für enge Strassen, zu sperrig beim Einparken – und ausserdem habe ich keine Lust, als Idiot zu gelten. Der Citroën Ami ist das exakte Gegenteil des G63: winzig, sympathisch, sparsam bei Kosten und Ressourcen – und er wirkt dabei so langsam und zerbrechlich wie eine Schnecke.

Im Ami unterwegs zu sein, fühlt sich an, als würde man in einer Bento-Box herumfahren. (Entschuldigung, mir fällt kein französisches Pendant ein: Das ist schliesslich ein Land, das stolz darauf ist, keinen Take-away zu machen.) Doch seine Stärken liegen auf der Hand: Keine Gasse ist zu schmal, keine Parklücke zu eng, und sein Wendekreis ist kürzer als die Gesamtlänge mancher Kastenwagen.

Preislich liegt er bei £7,695 in der Version ohne Radkappen – oder, so geschniegelt wie hier, bei knapp über £8.000. Mit £1,000 Anzahlung landen die Raten über drei Jahre bei £25 pro Woche. Eine London Travelcard für den ÖPNV innerhalb des Gebiets, das grob von North und South Circular umschlossen wird, kostet fast das Doppelte. Und glauben Sie mir: Genau dort liegt auch die Wohlfühlzone des Ami.

Mehr als 45 km/h Spitze (28 mph) sind nicht drin – und auf eine Ringstrasse würde man damit wirklich ungern geraten. Das ist ein Stadtauto, bei dem „Stadt“ der entscheidende Teil ist. Genau genommen – und das versteht man beim ersten Blick – ist es nicht einmal ein Auto.

[Knoten:feld_karussell-themenbezogen]

  • Fotografie: Jonny Fleetwood

Citroën Ami: Minimobilität, clever vereinfacht

Der Ami ist ein Quadricycle. Solche Gefährte sieht man in Frankreich in Städten und Dörfern häufig: langsam qualmend, meist von Rasenmähermotoren angetrieben. Hier ersetzt allerdings ein winziger Akku samt Elektromotor den Verbrenner. Für Quadricycles gelten weniger strenge Sicherheitsvorschriften – dafür sind Leistung und Tempo begrenzt: maximal 8 bhp (ja, acht) und ebenfalls 45 km/h (28 mph). Hochgeschwindigkeitsunfälle sind damit kaum ein Thema – ausser man fährt ihn von einer Klippe.

Citroën drückt die Herstellungskosten zusätzlich, indem die Karosserie konsequent symmetrisch aufgebaut ist: Front und Heck sind identisch, ebenso die linke und rechte Seite. Das gilt sogar für die Verglasung. Der witzige Nebeneffekt: Die Fahrertür ist hinten angeschlagen, die Beifahrertür vorne. Geöffnet wird über kleine, gewebte Zugschlaufen – ein bisschen wie beim 911 GT3 RS, nur aus völlig anderen Gründen.

Vor diesem Hintergrund wäre ein Umbau auf Rechtslenkung eine Art dekadenter Luxus. Man sitzt links, was hier aber gut passt: Der Ami ist so schmal und so wenig zum Überholen geeignet, dass man nicht zwingend „zur Fahrbahnmitte“ rücken muss. Und vom Bordstein aus ein- und auszusteigen, ist in der Stadt ohnehin praktisch.

Innen wirkt er keineswegs beengt. Er fühlt sich komplett anders an als alles, was man bisher gefahren ist, aber man findet sich schnell zurecht – schon deshalb, weil es kaum Bedienelemente gibt: zwei Pedale, ein Lenkrad, ein einziger Hebel (Scheibenwischer, Blinker, Hupe) und eine Handbremse. Neben dem Sitz sitzen drei Tasten mit D, N und R. Zwei weitere Knöpfe regeln Lüfter und Heizung.

Ein rätselhafter orangefarbener Knubbel sitzt am Lenkradspeichenbereich: Er verbindet sich per Bluetooth mit einer Ami-App auf dem Smartphone, das mit einer federnden Klemme am Armaturenbrett befestigt wird, und schaltet zwischen Navigation und Musik um. Das Telefon koppelt wiederum via Bluetooth mit einem dosenförmigen Lautsprecher im Getränkehalter.

Luftig wirkt das Ganze vor allem wegen der grossen Glasflächen vorne und im Dach. Sonnenblenden fehlen, also braucht man bei tief stehender Sonne einen Hut mit breiter Krempe. Bei Regen hingegen kommt der Entlüfter zum Entnebeln schnell an seine Grenzen.

Nahezu jede Fläche – abgesehen von den Sitzpolstern – ist Tupperware-hart. Der verschweisste Stahlrahmen aus Vierkantprofilen liegt rundum offen. Und die Sitze selbst könnten ebenso gut aus einer Flughafen-Abflughalle stammen. Der Beifahrersitz steht weit hinten; dadurch entsteht vor den Füssen Platz für Gepäck. Ein Rollkoffer fürs Handgepäck passt hinein. Schon ein bisschen in Ferienstimmung?

So charmant er ist: Er ist auch so spartanisch, wie man es sich kaum vorstellt – und bei etwa 32 km/h (20 mph) überrascht er mit erstaunlich groben Geräuschen. Motor und Untersetzung jaulen deutlich, das Fahrwerk poltert, und der Aufbau klappert. Die Federung ist so straff, dass ich kurz überlegte, ob überhaupt eine vorhanden ist oder ob allein die Reifen walken. Doch es gibt tatsächlich ein bisschen Federweg. Warum das trotzdem nicht weicher ausfällt? Keine Ahnung.

Beschleunigung im klassischen Sinn liefert er kaum – eher sammelt er Tempo an. Aber das ist in Ordnung: In den wirklich engen Teilen der Stadt ist er schnell genug, um Fahrräder beim Anfahren hinter sich zu lassen, und im Stau hält er mühelos mit dem Lambo vor einem Schritt. Die Lenkung ist sinnvoll übersetzt und ohne Servounterstützung angenehm intuitiv, die Bremsen machen, was man von ihnen verlangt. Und weil jede Stadtrunde irgendwann im Parken endet, ist das Einparken im Ami eine stille, selbstzufriedene Freude.

„Er beschleunigt nicht so sehr – er lagert eher Geschwindigkeit an.“

Jeep Avenger: als einziges Auto denkbar, in der Stadt trotzdem handlich

Der Jeep ist ebenfalls vollelektrisch, aber so anders – und so viel teurer –, dass man sich fragen könnte, warum beide hier nebeneinanderstehen. Gerade deshalb: Der Avenger kann problemlos das einzige Fahrzeug im Haushalt sein. Tatsächlich ist genau das eine seiner grössten Qualitäten.

Auf Landstrassen und Autobahnen fühlt er sich nicht einmal wie ein Kleinwagen an. Die Laufruhe, die Stabilität und der Komfort erinnern eher an ein deutlich grösseres Auto.

Trotzdem passt er gut in die Stadt. Für ein „richtiges“ Auto ist er weiterhin kompakt – sogar kürzer als viele kleine Crossover, selbst als der verwandte Vauxhall Mokka. Seine kantige Silhouette lässt sich leicht durch enge Strassen fädeln, und der umlaufende schwarze Kunststoffschutz kann retten, wenn man sich einmal verschätzt.

Weil er für leichtes Gelände ausgelegt ist, helfen kurze Überhänge und viel Federweg dabei, Temposchwellen und Schlaglöcher entspannt wegzustecken. Die Höhe sorgt zudem dafür, dass hinten Erwachsene sitzen können. Es gibt einen echten Kofferraum. In diesen Punkten hat er die Vorteile eines Mini-G63 AMG. Für Stadtfahrten mit mehr als einem Passagier und mehr als ein bisschen Gepäck ist er gegenüber dem Ami daher die naheliegende Wahl.

Auch der Innenraum ist angenehm. Er wirkt wie von Menschen entworfen, die Spass an ihrer Arbeit hatten. Nichts ist verspielt oder putzig, aber auch nichts überladen: Formen, Oberflächen, Farben und Grafiken sind modern und greifen stimmig ineinander.

So gut der Jeep in der Stadt funktioniert: Man sollte den Citroën nicht als billiges Auto missverstehen. Eher ist er die teure Alternative zu einem E-Bike – dafür wärmer, trockener und mit der Option, jemanden mitzunehmen.

Seine Reichweite von 64 km (40 miles) reicht völlig, weil das in London etwa fünf Stunden durchgängiges Fahren ermöglicht. Sobald man den Ami allerdings aus dem Bereich mit rund 48 km/h (30 mph) herausnimmt, ist man verloren. Der Jeep hingegen fängt dann erst richtig an.

Wenn Ihre Lebensphilosophie lautet, dass alles über „gerade genug“ hinaus bereits zu viel ist, dann ist der Ami Ihr Stadtauto: fokussierte, günstige, ressourcenschonende, persönliche Mobilität. Das Problem: Für die meisten bricht dieses Argument zusammen, weil ein Ami eher zusätzlich angeschafft wird, statt ein anderes Fahrzeug zu ersetzen. Der Jeep könnte dagegen das einzige Auto sein. Er kostet das Vierfache – aber ich garantiere, man würde ihn mindestens viermal so oft nutzen.

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