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Top Gear Speed Week: Mit dem Morgan Super 3 über die Autobahn nach Most

Fünf verschiedene Autos stehen auf einer Landstraße vor Feldern und Hügeln beim Sonnenuntergang.

„Nicht sicher. Nicht sicher. Nicht siiiicher.“ Zwei Worte, durch zusammengebissene Zähne gepresst und mit jeder Sekunde eindringlicher, während kurze Seitenblicke den Tacho in der Mittelkonsole erwischen, der nervös über 201 km/h flackert – als hätte er Angst vor der nächsten Ziffer. Vorn sind die Reifen schmal, aber unbeirrbar; sie reden ununterbrochen über die Lenksäule mit mir, bis in meine starr verriegelten Unterarme, wo die Sehnen offenbar irgendwo hinter den Ellbogen Schutz suchen. Hinten hüpft das einzelne Rad über Dehnfugen und verlässt die Fahrbahn, und weil Aerodynamik hier eher ein Konzept als ein Bauteil ist, bekommt der Wind mit kleinen, zupackenden Fingern den Kinnriemen meines Helms zu fassen und zerrt ihn nach hinten. 206 km/h stehen kurz an – bis am Horizont ein Auto auftaucht und ich lupfe. Eine Ausrede, die meinem Ego freundlicherweise einen eleganten Rückzug ermöglicht.

Adrenalin bis in die Fingerspitzen, kribbelnde Nerven – und vier weitere Worte: Nicht. Mach. Ich. Nochmal. Heilige… was für ein Kick. Klar: 206 km/h sind objektiv keine irrwitzige Zahl; viele aktuelle Kompakte knacken 209 km/h. Aber in einem Morgan Super 3 mit 118 bhp und einem Luftwiderstandsprofil, in dem sogar die Form deines eigenen Kopfes eine Rolle spielt, fühlt sich das an wie Fluchtgeschwindigkeit. Neue Aluminiumstruktur und 1,85 m Frontbreite hin oder her: Wer ernsthaft die 209 km/h Vmax anpeilt, braucht Mut – oder eine gewisse Sorglosigkeit. Mut ist nicht gerade mein Markenzeichen.

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Fotos: Mark Riccioni, John Wycherley & Huckleberry Mountain

Genau in diesem Moment schiesst Jack Rix irgendwo jenseits der 257 km/h in einem Aston Martin DBX 707 vorbei. Wahrscheinlich sogar noch etwas mehr – immerhin bin ich selbst noch deutlich über 161 km/h unterwegs. Der tiefblaue Koloss brüllt wie ein aufgeschreckter Stier und zieht trotzdem weiter durch. Im kurzen Bewegungswischer wirkt Jack komplett entspannt, möglicherweise hört er irgendeinen Podcast und kaut anscheinend nebenbei Chips. Schnell? Das ist immer eine Frage des Kontexts.

Tempo ist Kontext: Top Gear Speed Week auf der Autobahn

Und genau diesen Kontext müssen wir uns anschauen. Nur bei der Top Gear-Speed Week kannst du behaupten, 206 km/h in einem Morgan-Dreirad seien aufregender als 291 km/h in einem Porsche Cayman GT4 RS, ohne dass dich alle auslachen und zum Fantasten erklären. Und auch nur bei Speed Week passiert es, dass direkt danach jemand mit einem Foto um die Ecke kommt, das 304 km/h im besagten Porsche zeigt – und damit deine schöne Erzählung sauber platzen lässt. Danke, Rowan Horncastle. Aber genau deshalb sind wir hier: irgendwo im ländlichen Osten Deutschlands (so ungefähr), auf der Suche nach wenig befahrenen, unlimitierten Autobahnabschnitten, um den Autos Platz zu geben. Unser Konvoi ist dabei alles – nur nicht homogen.

Die Anreise nach Most: Planung, Tunnel und ein sehr gemischter Konvoi

Angefangen hat das Ganze Monate zuvor: mit fiebriger Planung, komplizierten Tabellen und am Ende einem grauen Morgen in einem Parkplatz-Halbdunkel kurz vor dem Eurotunnel. Jack rollt im DBX 707 an – mit einem kompletten Satz Zusatzreifen, diesem Blick, der Ärger verspricht, und Snacks in einer Menge, die Kontinentaleuropa Diabetes andichten könnte. Ollie Marriage sitzt in einem augenbrennend gelben Porsche GT4 RS. Greg Potts kommt im Morgan. Und ich: in einer blauen Audi RS3 Limousine, fühlte mich, als wäre ich im Business-Anzug zum Karneval erschienen. Weitere Leute würden wir unterwegs einsammeln oder am nächsten Tag am Autodrom Most in Tschechien treffen. Die Supportfahrzeuge – ein Land Rover Discovery 4 und ein VW Multivan – waren bis unters Dach mit Foto-Equipment und Familienpackungen Haribo beladen. Kaffee wurde ohne Umschweife „geext“. Der Morgan meldete sofort eine Warnleuchte – fast so, als würde er ahnen, was ihn erwartet. Na dann.

Klingt nach einer epischen Strecke, ist es aber gar nicht: Von Calais bis Most sind es über gutes deutsches Asphalt-Netz ungefähr 1.046 km. Also beschlossen wir, daraus eine richtige Tour zu machen und in Deutschland einen Stopp einzubauen – unter anderem, um Ollie Kew einzusammeln, der sich in einer beeindruckenden Demonstration von Selbstaufopferung aufgemacht hatte, den BMW M4 CSL zu holen. Um zu unserem Treffpunkt zu kommen, mussten wir allerdings erst einmal Strecke machen.

Die erste Überraschung wartete schon am Eurotunnel-Eingang: ein Morgan-Dreirad der letzten Generation. Dann noch eins. Und noch eins. In einer bizarren Wendung war ein ordentlicher Teil des Morgan-Owner-Clubs gerade auf Tour Richtung Monaco – in grob einem Dutzend S&S-V2-Versionen. Daneben wirkte unser neuer, dreizylindriger Ford-Super-3, als wäre er aus Versehen in eine geheime Familienfeier geplatzt. Ein paar Gespräche über das schicker aussehende neue Modell, ein kurzer Austausch im Tunnel – und dann ging’s los.

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Der erste Abschnitt der Reise war, wenn wir ehrlich sind, eher unspektakulär: acht, neun Stunden entspanntes Rollen, ein Zipfel Frankreich, dann links nach Belgien Richtung Antwerpen. Strenge Tempokontrollen, angenehmes Reisetempo. Der RS3 war dabei durchweg ein guter Kumpel, schaukelte dahin und kam auf knapp 7,1 l/100 km. Nicht schlecht für einen turboaufgeladenen Fünfzylinder mit fast 400 bhp. Der DBX fuhr herrschaftlich. Der Porsche wirkte fast gelangweilt – stets auf der Suche nach einer Gelegenheit, mal kurz „die Stimme zu ölen“. Greg hingegen sah aus wie ein ziemlich schlechter Bankräuber: Voller Skimaske, den Morgan auf den Autoroutes bei 129 km/h im Griffeskampf. Ihm hinterherzufahren war unfassbar unterhaltsam. Irgendwo in Deutschland hatte dann offenbar jemand Mitleid: Es musste getankt werden, wir wechselten die Autos durch – und ich landete im Morgan.

Autobahn-Abschnitte und Charaktere: Morgan Super 3, DBX 707, RS3 und Cayman GT4 RS

Was danach kam, ist ehrlich gesagt nur noch in Einzelbildern präsent – und führt zurück an den Anfang dieser Geschichte. Vielleicht tauchten irgendwo Schilder nach Dortmund und Kassel auf. Dann ein kurzer, einsamer Abschnitt, direkt nach dem Punkt, an dem wirklich jedes andere Auto auf genau diesem Teilstück einfach davonzog – und der Morgan plötzlich allein war.

Mehr Stopps, mehr Wechsel. Rowan Horncastle sprang in den Morgan und verliess einen Rastplatz, als würde er verfolgt – um an der nächsten Raststätte wieder einzubiegen, weil er befürchtete, der kleine Dreizylinder laufe nur noch auf zwei Pötten. Zehn Minuten Grübeln später: wieder starten – und Warnleuchten wie Fehlzündungen waren erneut verschwunden. Wie von Zauberhand.

Während der Morgan sich als zäh und tapfer erwies, obwohl er quer durch Europa geprügelt wurde, hatten die anderen Autos ihre helle Freude. Der DBX wischte einfach durch seinen Tacho, begleitet von einem Grollen, das an entfernte vulkanische Aktivität erinnerte – und wurde erst oberhalb von 282 km/h langsamer, wo die Aerodynamik (so nehme ich an) ihr strengeres Urteil fällte. Der RS3 lief völlig unbeeindruckt jenseits von 241 km/h: stabil, souverän, kompetent; akustisch blieb vor allem endloses Reifenrauschen auf Asphalt.

Und dann der Porsche Cayman GT4 RS: eine Offenbarung. Reaktionen so scharf wie Winterluft, jede Absicht sofort spürbar. Ja, das Ansauggeräusch wird womöglich direkt in den Innenraum geleitet, und ja, die Abgasanlage ist auf Krawall gebürstet – aber es gibt nur sehr wenige Orte, an denen du bei 9.000 U/min durch den Grossteil eines Getriebes hochschalten kannst, ohne auf einer sehr grossen Rennstrecke zu sein oder ein bisschen „Auszeit“ in einem Zwei-Sterne-Polizeihotel zu riskieren. Und jedes einzelne Mal stellt es dir die Nackenhaare auf. Wenn auf dem schlichten Hintergrund einer überwiegend aus Autobahn bestehenden Anreise sofort ein Auto zum Favoriten mutierte, dann dieses.

Südharz und der BMW M4 CSL: Vorurteile, Sitze und überraschende Präzision

Nach ein paar weiteren Stopps und runden 805 km ging es zu unserem Hotel am östlichen Rand der Gemeinde Südharz, um Kew und den BMW M4 CSL zu treffen. Den, ähm, optisch sehr nachdrücklichen M4 CSL. Ein legendäres Kürzel auf einem relativ schweren M4, zugepflastert mit CSL-Emblemen und grosszügig verteilten Streifen. Ein Auto mit leichten Carbon-Sitzen und gleichzeitig völlig unpassenden, leuchtenden Badges. Auf den ersten Blick war ich raus – und Ollies lachender Druck, wir sollten bitte alle versuchen, irgendwie würdevoll einzusteigen, bestätigte meinen Verdacht: ein Fahrzeug, das mindestens so sehr von Marketing wie von Ingenieurarbeit geformt wurde.

Vor dem Abendessen wollten wir die Strassen in der Umgebung kurz auskundschaften, um am nächsten Tag Fotos zu machen. Obwohl alle müde waren, wurde aus „ein, zwei Autos“ schnell „drei“, dann „vier“, und am Ende war wieder der ganze Trupp unterwegs. Und was für Strassen: deutsche Effizienz in der Bauqualität, kombiniert mit einer fast künstlerischen Handschrift in der Linienführung. Schwungvolle Asphaltbänder, verbunden durch kurze Geraden, mal einsehbar, mal blind, dazu Höhenwechsel und satte Querneigungen.

Der Morgan war ein Riesenspass: brüllend durch Kurven, Ellbogen draussen, das Auto mit Körpereinsatz in so etwas wie eine Ideallinie gezwungen. Der Porsche dagegen zerlegte jede Ecke chirurgisch präzise, begleitet von diesem kreischenden Drehzahlgesang – hier kannst du dich nirgends verstecken. Und der DBX? Er fühlte sich nie nach etwas anderem an als nach dem, was er ist: ein extrem starker SUV mit enormem Grip und einer physischen Präsenz, die ganze Fahrspuren füllt. Trotzdem stieg jeder, der ihn gefahren war, mit einem respektvollen Nicken aus. Der RS3 war wiederum zielgerichtet und entgegenkommend – so ein Auto, das Tempo einpackt und dich dabei behütet, egal ob du die Strecke kennst oder nicht.

Und der M4? Ärgerlicherweise war er ebenfalls … beeindruckend. Drehmoment, Traktion und eine Präzision, die sein Gewicht Lügen straft. Aber das behalten wir bitte unter uns.

Weiter Richtung Tschechien: Leipzig, Tankquittungen und Autodrom Most

Abendessen, Bett – und am nächsten Morgen setzte sich der gesamte Tross wieder in Bewegung, noch leicht verquollen, erst einmal für reichlich Fotos, dann weiter nach Osten und ein Stück nach Süden. Irgendein Rechtsknick in der Nähe von Leipzig in Sachsen (etwa 161 km südwestlich von Berlin), ein Sandwich, noch mehr Kaffee. Und je häufiger die unlimitierten Autobahnabschnitte wurden und je leerer sie sich anfühlten, desto öfter tasteten wir uns auch in die oberen Drehzahlregionen der Autos vor. Sagen wir so: Es gab ein paar Tankstellenbelege, bei denen man unwillkürlich zusammenzuckt – besonders für denjenigen, der beim Tanken gerade im DBX sass.

Schliesslich ging es über die tschechische Grenze, hinein nach Most, und direkt weiter zum Autodrom.

Dämmerung oben auf dem Hügel am Autodrom Most: Unter uns schlängelt sich die Strecke, hinter uns ticken und knacken mehrere Autos beim Abkühlen. Vor uns steht der Rest unserer Truppe: ein Maserati MC20. Ein McLaren Elva – mit einer Windschutzscheibe, die irgendwie seltsam überdimensioniert wirkt – und ein Ferrari 296 GTB mit etwas, das aussieht wie blaues Lippenstift-Finish. Ein orangefarbener Lamborghini Huracán Technica. Während ein beliebiger Trackday in Tschechien auf einer Strecke ausklingt, die schnell und technisch wirkt, und wir uns ansehen, womit wir in den nächsten Tagen spielen dürfen, spüren mehr als ein, zwei von uns dieses Kribbeln: Nervosität. Und Vorfreude. Willkommen bei der Speed Week des Top Gear Magazine. Jetzt wird’s ernst.

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