Zum Inhalt springen

Vauxhall Combo Life Electric vs Mercedes EQB: Sieben-Sitzer-E-Autos im Vergleich

Zwei Autos, ein silberner Vauxhall und ein blauer Mercedes, fahren nebeneinander auf einer Landstraße bei bewölktem Himmel.

Du hast es bis zu diesem Vergleich der kantigsten aller Zwillings-Tests geschafft – und liest offenbar mit echter Begeisterung. Dann scheinst du ein besonderes Talent fürs „Verdoppeln“ zu haben. Vielleicht stehen sogar eigene Zwillinge in der Garage – und damit der Wunsch nach einem echten Sieben-Sitzer.

Gleichzeitig willst du für eben diese Kinder wohl auch, dass die Welt in ein paar Jahrzehnten noch in Ordnung ist. Heisst: Das nächste Auto soll elektrisch werden. Und genau da beginnt das Dilemma. Bis vor Kurzem war die einzige ernsthafte Option mit sieben Sitzen im E‑Bereich, rund 100.000 Pfund für ein Tesla Model X hinzulegen – inklusive Falcon-Wing-Türen und Furz-Geräuschen. Wenn du da gezögert hast: verständlich.

[Platzhalter: Karussell (Thema)]

Bilder: Jonny Fleetwood

Sieben Sitze, Strom: immer noch Mangelware

Selbst sieben Jahre nachdem das Model X endlich auf dem Markt gelandet ist, gibt es weiterhin erschreckend wenige vollwertige Elektro-Familienautos mit sieben Plätzen. Die beiden Kandidaten auf den Bildern könnten kaum unterschiedlicher sein – aber sie haben beide vier Räder, einen Elektromotor (beim Mercedes sind es sogar zwei) und Platz für eine Person am Steuer plus sechs Mitfahrende. Genau deshalb stehen sie hier.

Beide kosten zudem deutlich weniger als der Tesla, auch wenn nur eines der beiden Modelle wirklich als günstig durchgeht.

Vauxhall Combo Life Electric: Technik, Laden und Varianten

Los geht’s mit dem Vauxhall. Seit seiner Einführung hiess das Modell Combo‑e Life, doch Vauxhall hat die Namenslogik kürzlich umgestellt – jetzt nennt er sich Combo Life Electric. Klarer geht’s kaum, und du wirst gleich merken, dass das Programm ist.

Unter der Karosserie steckt derselbe Van-Ableger wie beim Citroën e‑Berlingo und beim Peugeot e‑Rifter: alle drei gehören zu Stellantis, und in Grossbritannien werden sie inzwischen nur noch als Elektroversion angeboten.

Beim Combo treibt ein einzelner E‑Motor die Vorderräder an. Leistung: 134 bhp (ca. 100 kW), dazu ein ordentliches Drehmoment von 192 lb ft (ca. 260 Nm). Der 50‑kWh‑Akku sitzt im Fahrzeugboden und lässt sich mit bis zu 100 kW laden – damit dauert der Sprung von 0 auf 80 Prozent 30 Minuten.

Natürlich gibt es den Combo auch als Fünfsitzer. Aber wenn du schon Optik zugunsten von Nutzwert opferst, warum dann nicht konsequent? Für 600 Pfund kannst du die Siebensitz-Option dazubuchen – oder für denselben Betrag auf die höhere, längere XL‑Version mit grösserem Radstand wechseln. Mit dem XL bleibt selbst bei sieben aufgestellten Sitzen noch etwas Kofferraum übrig. Hier im Test steht allerdings die kürzere Variante.

Mercedes EQB: SUV-Format, Antrieb und Reichweite

Dann der Mercedes EQB. Schon auf den ersten Blick ist klar: Das ist ein SUV – und er legt deutlich mehr Wert auf Styling als der Vauxhall. Uns gefallen die wuchtige Motorhaube, die kantigen Radhäuser und der kleine Knick in der Seitenlinie der Fenster. Dazu kommen Lichtleisten vorne und hinten, damit die Zukunfts-Optik komplett ist.

Der EQB ist konsequent als Siebensitzer gedacht. Wenn du nur fünf Plätze brauchst, gibt es alternativ die Schwestermodelle EQA oder EQC. Eine grundlegende Gemeinsamkeit haben die Ansätze von Mercedes und Vauxhall allerdings: Beide Fahrzeuge basieren auf Plattformen, die ursprünglich für Verbrenner entwickelt wurden und für elektrische Antriebe angepasst sind.

Wie bereits angedeutet, arbeitet der EQB mit zwei E‑Motoren und Allradantrieb: 225 bhp (ca. 168 kW) im EQB 300, den du hier siehst, oder 288 bhp (ca. 212 kW) im Topmodell EQB 350. Auch beim Thema Reichweite liegt der Mercedes vorne: Seine grössere 66,5‑kWh‑Batterie ermöglicht 250 Meilen (ca. 402 km) und schlägt damit die 174 Meilen (ca. 280 km) des Vauxhall. Wichtig dabei: Beim Laden sind beide gleichauf, denn auch der Mercedes erreicht maximal 100 kW.

Fahrgefühl, Rekuperation und Verbrauch

Der Combo ist für Familienalltag erstaunlich stimmig – und er macht nicht den Fehler, Sportlichkeit vortäuschen zu wollen. Die Lenkung ist extrem leicht, ohne viel Rückmeldung zu liefern; das Bremspedal wirkt weich. Dank der hohen Reifenflanken auf 16‑Zoll‑Rädern rollt er insgesamt recht komfortabel ab, auch wenn er auf härteren Kanten etwas nachwippt.

Wie der Combo Life Electric fährt, hat etwas von „„mein erstes E‑Auto““: keine irrwitzige Beschleunigung, die einen beim ersten Vollgas erschreckt, und die Höchstgeschwindigkeit ist auf 84 mph (ca. 135 km/h) begrenzt – du fräst also nicht gleich beim ersten Autobahnkontakt in deine sorgsam bewachte Reichweite hinein. Es gibt Fahrmodi: Power, Normal und Eco. Da der WLTP‑Wert im Normal‑Modus homologiert wurde, wirst du ihn vermutlich genau dort lassen und den drehmomentraubenden Eco‑Modus meiden. Am zentralen Wählhebel gibt es ausserdem einen Brems‑Modus, doch die Rekuperation ist nicht so aggressiv, dass den Kindern bei jedem Lupfen des Strompedals schlecht wird.

Der EQB wiederum baut Tempo mit beeindruckender Selbstverständlichkeit auf. Mercedes nennt 0–62 mph in 7.7secs (entspricht 0–100 km/h in 7,7 s), und mit sofort anliegenden 273 lb ft (ca. 370 Nm) wirkt der Vortrieb mühelos. Umso schade, dass er weder beim Lenken noch beim Bremsen genauso souverän wirkt.

Clever ist er trotzdem: Neben der ansonsten per Wippen gesteuerten Rekuperation gibt es einen Automatikmodus, der per Radar erkennt, ob du starke Verzögerung brauchst oder lieber segeln solltest, sobald du vom Pedal gehst. Wenn man lernt, dem System zu vertrauen, fährt sich das besser, als den EQB stumpf in den Sport‑Modus zu stecken. Der strafft zwar das Fahrwerk und legt mehr Gewicht in die Lenkung – aber willst du das wirklich in einem Familienauto? Ausserdem animiert die Extra‑Schärfe zu weniger effizientem Fahren: Auf unserer Runde kamen wir beim Mercedes auf 3.0mpkWh (ca. 4,8 km/kWh) und beim Combo auf 3.4 (ca. 5,5 km/kWh).

Ausstattung, Innenraum und Alltagstauglichkeit

In der Ausstattung AMG Line Premium (die gegenüber dem normalen AMG Line einen, nun ja, Aufpreis von 3.000 Pfund verlangt) packt der EQB ordentlich Technik auf die Liste. Zusätzlich zur radarunterstützten Rekuperation gibt es zwei 10‑Zoll‑Displays als digitales Cockpit. Das Navi kann eine optimale Route inklusive Ladestopps planen. Serienmässig an Bord sind ausserdem ein 10‑Lautsprecher‑Soundsystem, ein Panoramadach, LED‑Scheinwerfer sowie kabelloses Laden fürs Smartphone mit umfassender Konnektivität.

Für technikverliebte Familien ist das prima – nur kostet der Vauxhall rund 20k weniger, und sein Innenraum spielt seine Trümpfe über Platz aus. Während Mercedes meint, die dritte Reihe tauge nur für Personen unter 5ft4in (ca. 1,63 m), ist der Combo hell, luftig und kopffrei, und selbst ganz hinten stehen echte Sitze, nicht bloss Notsitze.

Klappt man die hinteren Reihen flach, bietet der Mercedes 495 Liter Kofferraum und der Vauxhall 597 (jeweils bis zur Hutablage gemessen). Beim Combo lassen sich die hinteren Sitze ausserdem komplett ausbauen. Mit sieben Personen an Bord bleibt bei beiden im Grunde nur Platz für die Ladekabel. Wenn du beim Combo noch mehr Variabilität willst, setzt du für 300 Pfund ein Häkchen und machst aus der zweiten Reihe Einzelsitze. Und wenn du alleine unterwegs bist, können alle Sitze inklusive Beifahrersitz flachgelegt werden – dann stehen selbst im Standardmodell 2.7m Ladelänge zur Verfügung.

Viel zu konfigurieren gibt es beim Combo ohnehin nicht: Es existiert nur die Ausstattung SE, und der 8‑Zoll‑Touchscreen ist immer dabei. Für 460 Pfund bekommst du Navigation – wer allerdings ohnehin Apple CarPlay oder Android Auto nutzt, kann sich das Geld problemlos sparen.

Die Differenz im Preis macht es fast unmöglich, einen klaren Sieger zu küren. Ausserhalb dieses direkten Duells würden wir dem EQB und dem Combo sehr ähnliche Bewertungen geben. Der Mercedes ist der Sieben-Sitzer‑Stromer für alle, die mehr Tempo, mehr Reichweite und mehr Technik möchten. Aber das hier ist TopGear – deshalb würden wir dir am liebsten den praktischen, extrem soliden Vauxhall ans Herz legen … und dazu einen gebrauchten Lotus Elise der zweiten Generation für die Tage, an denen die Kinder auch mal zu Hause bleiben können.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen