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60 Jahre Porsche 911: Roadtrip mit Carrera T, Turbo S, Dakar, GT3 RS und 718 Spyder RS

Vier Porsche-Sportwagen in verschiedenen Farben auf asphaltierter Fläche vor bewaldeten Bergen bei bewölktem Himmel.

Eine kleine Geburtstagsidee für den Porsche 911

Wir werden jetzt nicht spontan „Happy Birthday“ anstimmen – aber einen Moment, um dem Porsche 911 zu gratulieren, sollten wir uns schon nehmen.

Schliesslich wurde er im September 2023 60 Jahre alt. Und statt ihm eine Karte und ein eher mittelmässiges Geschenk zu besorgen, haben wir beschlossen, ein paar aktuelle Familienmitglieder einzupacken und auf den ultimativen 911-Roadtrip zu gehen. Natürlich als Geschenk für den 911 – und ganz bestimmt nicht, weil wir selbst Lust auf ein paar grossartige Sportwagen hatten.

Bevor es losgeht, ein schneller Überblick über die Autos hier vor Ort. Wirklich nur im Schnelldurchlauf – ihr kennt sie schliesslich alle längst …

Die Autos der Tour: Porsche 911 und ein „Gast“

911 Carrera T

Handschaltung – im Grunde ist das schon die wichtigste Information. Der Carrera T positioniert sich in der 911-Palette zwischen dem Carrera und dem Carrera S und könnte genau der goldene Mittelweg sein. Im Vergleich zum normalen Carrera ist er etwas leichter und spürbar sportlicher abgestimmt; der doppelt aufgeladene Sechszylinder-Boxer liefert dabei 380bhp.

911 Turbo S

Der Turbo S gerät heutzutage erstaunlich leicht in Vergessenheit. Die 911-Familie wächst ständig weiter, und die GT-Modelle sowie Sondereditionen machen die grossen Schlagzeilen – dabei sollte man einen beinahe 200.000 £ teuren Supersportler mit 641bhp nicht einfach übersehen.

911 Dakar

Den kennt ihr inzwischen zur Genüge. Ein höhergelegter 911 mit grobstolligen Reifen, Dachträger und Zusatzscheinwerfern. Er ist selbstverständlich grossartig, aber mit einem Einstiegspreis von 173.000 £ vor Optionen (und davon gibt es reichlich) ist er definitiv kein Schnäppchen.

911 GT3 RS

Der Hauptdarsteller. Der 911 GT3 RS. Für dieses Auto haben wir auf der Reise ein paar ziemlich besondere Pläne – doch bevor ihr euch in der Erhabenheit dieses Schwanenhals-Heckflügels verliert, lohnt ein kurzer Faktencheck: Unter der Haube arbeitet ein frei atmender 4,0-Liter-Boxer, der bis 9.000rpm dreht und 518bhp leistet. Dazu kommen 860kg Abtrieb bei 285 km/h (177 mph). Der extremste Strassen-911, den Porsche je gebaut hat?

718 Spyder RS

Offensichtlich ist das kein 911. Aber weil der Motor seine Wurzeln im 911 GT3 hat, darf er erst einmal bei den grossen Brüdern mitfahren. Insgesamt stehen 493bhp an, dazu ein Klang, der sogar Adele eine Träne entlocken könnte – gute Argumente, um sich auch mal vom Heckmotor-Konzept weglocken zu lassen.

Ja, streng genommen ist das hier die offene Version des Cayman GT4 RS. Trotzdem ist der Aufwand so gross, dass er weit mehr als nur „ohne Dach“ ist. Das überarbeitete Fahrwerks-Setup ist nämlich rund 50 Prozent weicher (oder weniger straff?) als beim magischen Cayman. Als Roadtrip-Auto sollte das also gut passen …

Auftakt an der Côte d’Azur: Nice, Monaco und der Dakar im Stadtverkehr

Los geht’s in Nizza an der französischen Riviera – klingt glamourös, ist im Dezember aber vor allem kalt und nass. Genau deshalb starte ich im Dakar. Eigentlich wollen wir die Küstenstrasse Richtung Monaco nehmen, doch nach einer falschen Abbiegung pflügen wir erst einmal quer durchs Zentrum von Nizza. Immerhin: So lässt sich bestens feststellen, dass die langhubige Federung und die hohen Reifenflanken des Dakar ihn zum perfekten 911 für die Speedbumps im Süden Frankreichs machen.

Auf weiten, fliessenden Küstenabschnitten machen die 475bhp und die spürbare Wankneigung bei legalem Tempo richtig Laune. Und als wir schliesslich in Monaco ankommen, ist es ausgerechnet der Offroader, der die meiste Aufmerksamkeit abbekommt. Wobei das auch daran liegen könnte, dass wir unterwegs einen Weihnachtsbaum eingesammelt haben – der hängt gerade zusammen mit ein paar Ersatzreifen auf dem Dachträger.

Wir versuchen uns an ein paar Runden auf dem Grand-Prix-Kurs, aber der Verkehr in Monaco ist so heftig, dass wir uns dem Rundenrekord nicht einmal annähern. An das Tempo eines Formel-E-Rennens kommen wir vermutlich gar nicht so schlecht heran. Und während ich Renault Twizys und Citroën Amis ausweiche (die zum Glück alle vier Räder am Boden behalten), fällt mir wieder auf, wie alltagstauglich der Dakar ist. Die Übersicht ist gut, und man muss nicht bei jedem Bordstein Angst um die Felgen haben. Als 911 für die Stadt wäre das meine erste Wahl.

[Knoten: Inline-Galerien – thematisches Delta: 0]

Übernachtung in Sanremo: Der 718 Spyder RS in Tunneln

Am Abend entkommen wir dem Gedränge und legen einen Zwischenstopp mit Übernachtung in Sanremo, Italien, ein. Weniger Verkehr, dafür mehr Tunnel – perfekte Bedingungen für den 718 Spyder RS. Sein Sound unterscheidet sich tatsächlich deutlich vom Cayman GT4 RS: oben heraus wirkt er weniger schrill und deutlich melodischer. Als würde der fehlende Aufbau die Geräusche eher entweichen lassen, statt sie – wie beim Cayman – um den Kopf herum direkt zurück in die Ohren zu werfen. Wobei ich genau das am GT4 RS durchaus mag.

Trotzdem bleibt im Spyder RS dieses grossartige Ansauggeräusch erhalten. Neu sind die Lufteinlässe direkt hinter den Kopfstützen, und beide sind echt – der Klang hängt also nicht davon ab, auf welcher Seite des Fahrzeugs euer Land fährt.

Richtung Nordosten: Im 911 Carrera T nach Genua, dann mit dem Turbo S nach Mailand

Am nächsten Morgen wechsle ich in den Carrera T und fahre nordöstlich Richtung Genua. Wieder nehmen wir überwiegend die schöne Strecke – aber selbst die Autobahnen in dieser Region Italiens bieten ein paar ordentliche Kurven.

Das Siebengang-Schaltgetriebe macht mit seinem um 10mm kürzeren Knauf (keine Witze von hinten) richtig Freude, und dank der serienmässigen Sportabgasanlage gibt’s den passenden Soundtrack zur eigenen Arbeit. Ein fantastischer 911 für die Strasse.

Wer allerdings in kurzer Zeit grosse Distanzen abspulen will, greift zum allradgetriebenen Turbo S. Für einen Autobahn-Sprint nach Mailand steigen wir um – und der Turbo S bleibt dabei leise, souverän und komfortabel. Wenn die Lader einsetzen, wird er zugleich brutal schnell und beschleunigt so eindrucksvoll wie kein anderes Auto hier.

[Knoten: Weiterreise-Karte – thematisch]

Monza: Runden im Porsche 911 GT3 RS

Dass wir in Mailand landen, hat nicht mit einem kurzen Duomo-Besuch zu tun, sondern mit einer Reise zu einem anderen Heiligtum: dem Tempel der Geschwindigkeit.

Für mich ist es das erste Mal in Monza, daher freue ich mich natürlich besonders darüber, dass die Strecke feucht und schlammig ist (Rallyeautos hatten den Kurs nur ein paar Wochen zuvor aufgewühlt) und das Thermometer konsequent im einstelligen Bereich bleibt. Ach ja – und die Anlage ist für uns geschlossen, damit wir den GT3 RS fahren können. Eine ziemlich ehrwürdige Rennstrecke für ein extrem ehrwürdiges Auto.

Auch wenn der GT3 RS mit seinem aggressiven Aeropaket und den breiten Goodyear Eagle F1 SuperSport R-Reifen recht ernst wirkt, zeigt er sich überraschend zugänglich. Selbst unter diesen Bedingungen gibt es viel Grip, besonders in schnellen Kurven, in denen die Aero das Auto regelrecht an den Asphalt klebt. Und selbst wenn der Halt in langsameren Passagen doch abreisst, baut sich das Übersteuern progressiv auf und lässt sich leicht einfangen.

Dazu passt, dass der GT3 RS im Track-Mode enorm viel Konfigurierbarkeit bietet: Man kann eine Portion Traktions-/Stabilitätskontrolle aktiv lassen und die Dämpfer auf die weichste Stufe stellen, um mit Monzas berüchtigten „Sausage Kerbs“ besser klarzukommen.

[Knoten: Inline-Galerien – thematisches Delta: 1]

Und dann ist da noch der Motor: Der hochdrehende Boxer gibt seine Leistung gleichmässig frei und liefert dabei maximalen akustischen Auftritt. Und obwohl „nur“ 518bhp anliegen (volle 123bhp weniger als im Turbo S), schafft er 0–100 km/h (0–62 mph) in 3,2 Sekunden. Schnell genug ist er also allemal – und dieser GT3 RS der 992-Generation fühlt sich auf der Rennstrecke derart zuhause, dass es schon fast selbstverständlich wirkt. Leider kommen wir nicht einmal in die Nähe des DRS.

Am Ende zeigt dieser Roadtrip vor allem, wie breit das 911-Spektrum inzwischen ist. Obwohl beide vom gleichen Grundauto ausgehen, ist der Vergleich Dakar gegen GT3 RS wie Offroad-Äpfel gegen Track-Orangen. Und wenn man bedenkt, wie weit der 911 in 60 Jahren gekommen ist, kann man nur erahnen, wohin Porsche ihn in den nächsten 60 führen wird.

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