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Ford Focus Active im Test: 1.5 EcoBlue Diesel mit 120 PS

Blaues Ford Focus Active Auto im Showroom mit schwarzen Felgen und großem Kühlergrill.

Aktuelle Zahlen von Jato Dynamics zeigen: SUVs machen in Europa inzwischen fast die Hälfte der Neuwagenverkäufe aus. Und ehrlich gesagt reicht ein kurzer Blick auf die Strasse, um diese Werte sofort zu „bestätigen“. Doch was ist mit allen, die aus irgendeinem Grund keinen SUV brauchen oder wollen, aber trotzdem ein kleines Plus an Geländetauglichkeit suchen? Genau hier setzt der Ford Focus Active an.

Ähnlich wie der Ford Fiesta Active, den wir vor Kurzem gefahren sind, positioniert Ford den Focus Active als SUV-Alternative innerhalb der eigenen Modellpalette: mit mehr Vielseitigkeit, einer Prise mehr Unangepasstheit und vor allem mit mehr Offroad-Potenzial als ein „konventioneller“ Focus.

Ob das ausreicht, um den Focus Active wirklich zu einer überzeugenden Option zu machen? Ich war vier Tage mit ihm unterwegs – auf der Autobahn und auf Landstrassen, und es blieb sogar Zeit für einen kleinen Abstecher auf „schlechte Wege“… – um diesen Familienkombi mit „hochgekrempelten Hosen“ genauer kennenzulernen. Hier steht er mit dem 1.5 EcoBlue Diesel mit 120 PS.

Ein Focus… nur eben anders!

Optisch grenzt sich der Focus Active deutlich vom „normalen“ Focus ab – genug, damit man ihn nicht verwechselt. Dazu tragen die Dachreling, die umlaufenden Karosserieschutz-Elemente und natürlich die erhöhte Bodenfreiheit bei: + 30 mm an der Vorderachse und + 34 mm an der Hinterachse.

Unterm Strich wirkt er robuster und signalisiert einen grösseren Einsatzbereich, vor allem abseits befestigter Strassen. Entgegen dem, was angeblich „Gesetz“ ist, gehöre ich zu denen, die finden, dass man über Geschmack sehr wohl diskutieren kann… und zwar ausgiebig. In diesem konkreten Fall habe ich aber keine Zweifel: Der Focus Active funktioniert – auf mehreren Ebenen.

Höhere Sitzposition

Innen fallen vor allem die Sitze mit stärkerer Polsterung und Kontrastnähten auf. Sie ermöglichen eine leicht erhöhte Sitzposition (so beliebt bei SUV-Kundinnen und -Kunden) und damit verbunden eine bessere Übersicht nach aussen.

Wie wir bereits in anderen Focus-Tests festgestellt haben, ist die Verarbeitungsqualität auf sehr gutem Niveau. Das merkt man besonders dann, wenn man den Active tatsächlich ins Gelände schickt – denn Bodenwellen und Verschränkungen stellen die Konstruktion vor zusätzliche Aufgaben.

Bei der „Ordnung“ auf Mittelkonsole und Armaturentafel gibt es nichts zu kritisieren. Passend zu den aktuellen Ford-Modellen sitzt mittig ein 8"-Display als Bedienzentrum des Ford-Infotainments SYNC3. Die Smartphone-Anbindung funktioniert über Apple CarPlay oder Android Auto.

Positiv sind auch die physischen Tasten und Drehregler für Multimedia und Klimatisierung. Sie sind optisch vielleicht nicht so spektakulär wie die digitalen Lösungen, die man inzwischen vielerorts sieht – ja, ich meine dich, Volkswagen Golf –, aber sie sind logisch und funktionieren. Und genau das macht im Alltag den Unterschied.

Bei der Raumökonomie bleibt alles wie beim „konventionellen“ Focus: segmenttypisch sehr gute Werte, die es erlauben, zwei Erwachsene (oder zum Beispiel zwei Kindersitze…) auf der Rückbank wirklich bequem unterzubringen.

Besser auf „Erde“… aber wie steht’s um den Rest?

Genau diese Frage hatte ich, bevor ich losgefahren bin. Neben dem abenteuerlicheren Auftritt setzt der Focus Active auf ein spezifisches Fahrwerks-Setup: Federn, Dämpfer und Stabilisatoren unterscheiden sich vom „konventionellen“ Focus.

Da der Focus im Segment als dynamische Referenz gilt – dieses Fahrwerk überzeugt nach sehr wenigen Kilometern, glaubt mir… – hatte ich Sorge, dass die Änderungen das Strassenverhalten verwässern könnten. Sehr schnell wurde klar: Diese Stärken sind geblieben. Und wie!

Trotz der zusätzlichen Bodenfreiheit fährt sich der Focus Active weiterhin vorbildlich und lädt regelmässig dazu ein, das Potenzial seines Chassis auszukosten. Gerade in Kurven und bei der Dynamik sehe ich den Punkt, an dem dieser Focus Active bei vielen SUVs die „Strecke“ für sich entscheidet.

Der niedrigere Schwerpunkt ist dabei wichtig, aber längst nicht der einzige Grund. Die abenteuerliche Variante basiert auf einer ohnehin sehr guten Dynamik-Plattform, und Ford hat es geschafft, diese Qualitäten auch in der Version für verwinkelte Wege zu bewahren. Ja, der Active gibt einem zusätzliches Vertrauen – gleichzeitig spürt man, dass Ford darauf geachtet hat, dass dieses Plus nicht auf Kosten von allem anderen geht.

Nachdem diese Zweifel geklärt waren – die Antwort des Focus Active fiel ziemlich eindeutig aus… – war es Zeit für das eigentliche Versprechen: die Fähigkeit, auf „schlechten Wegen“ voranzukommen.

Und hier kann der Active mehr als jeder andere Focus, auch wenn die Bodenfreiheit weiterhin sein grösstes „Handicap“ bleibt. Solange man nicht in extrem zerfurchtes Gelände fährt, muss sich dieser Focus Active vor SUVs nicht verstecken.

Ich war mit ihm auf Schotterpisten mit losem Gestein unterwegs – und war überrascht. Wie die Federung Unebenheiten schluckt – selbst bei 50 km/h… – ist fast tadellos. Gleichzeitig bleibt er sehr sicher und vorhersehbar, ohne dabei auf jenen Spass zu verzichten, den er auf Asphalt bietet. Ich hatte jedenfalls ein breites Grinsen, während ich gefahren bin.

Zwei spezifische Fahrmodi

Zum gelungenen Offroad-Auftritt tragen zwei exklusive Fahrmodi der Active-Version bei: „rutschig“ und „Trail“. Sie ergänzen die drei Modi, die auch die übrigen Focus-Varianten bieten (Eco/Normal/Sport).

Diese Programme beeinflussen die Eingriffe von Traktionskontrolle und Stabilitätskontrolle und sind echte Vorteile, wenn es auf Schotter geht oder sogar etwas Schlamm ins Spiel kommt. Natürlich ersetzen sie kein Allradsystem – dieser Focus Active zieht nur vorn – aber sie erfüllen ihren Zweck sehr überzeugend.

Wie erwartet macht der Sport-Modus das Ganze deutlich „würziger“, wenn man eine kurvige Strasse energischer angeht: Das Gaspedal spricht direkter an und die Lenkung wird spürbar schwerer. Zu meiner Überraschung wirkt sich das nicht besonders negativ auf den Verbrauch aus.

Jetzt reden wir über Diesel…

Wie ihr sicher bemerkt habt, habe ich – abgesehen vom Einstieg… – bisher kaum über den Diesel gesprochen, der in diesem Focus steckt. Das war Absicht.

So oft er auch unter Druck gerät: Der Diesel ist noch lange nicht tot. Davon bin ich zumindest überzeugt – auch weil ich zu den Fahrern gehöre, die jeden Monat einige tausend Kilometer abspulen, ein grosser Teil davon auf der Autobahn.

Diese „Theorie“ hat der Focus Active mit dem 1.5 EcoBlue mit 120 PS erneut bestätigt, hier kombiniert mit einer 8-Gang-Automatik. Die Getriebeabstufung passt, die Schaltvorgänge sind schnell genug, und der Lauf ist angenehm geschmeidig.

Dieser Motor passt hervorragend zur Active-Idee, weil er die Langstreckenqualitäten noch einmal unterstreicht. Ein Teil liegt am höheren Komfort, vor allem aber an diesem Diesel, der nie das Gefühl vermittelt, „zu knapp“ zu sein. Überzeugt hat er mich mit seiner Gelassenheit und mit dem Autobahnverbrauch: 5,7 l/100 km.

Mit zurückhaltender Fahrweise kommt man näher an 5 l/100 km/h – ein Wert, der diesen Focus mit „hochgekrempelten Hosen“ gegenüber SUVs erneut gut positioniert. Und das mit Automatik, die traditionell als durstiger galt. Ganz weg ist das nicht, wie man hier sieht: Beim Test des Focus Active Kombi mit demselben Motor, aber mit 6-Gang-Handschaltung, haben wir noch niedrigere Verbräuche erzielt.

Ist das das richtige Auto für Sie?

Wer eine unterhaltsame Lösung sucht, die es mit einem frontgetriebenen SUV aufnehmen kann, sollte den Ford Focus Active auf die Liste setzen.

Die grössere Bodenfreiheit im Vergleich zum Focus und die Fahrwerksanpassungen sorgen dafür, dass er auf unebenerem Terrain weiterkommt – dort, wo ein klassischer Kombi bereits deutlich früher an Grenzen stösst.

Schotterwege, etwas Schlamm oder Pfade mit losem Stein sind damit realistische Aufgaben. Und selbst wenn die Bodenfreiheit bei stärkeren Stufen oder höheren Hindernissen limitiert: Ein frontgetriebener SUV wird das in der Praxis kaum besser lösen.

Ich glaube deshalb, dass dieser Focus Active im Gelände alles kann, was ein frontgetriebener SUV kann – mit dem Unterschied, dass er auf Asphalt andere Trümpfe ausspielt: der niedrigere Schwerpunkt und das hervorragende Focus-Fahrwerk machen sich hier klar bemerkbar.

Heisst: Man bekommt in einem „Paket“ ein abenteuerlicheres Auto, das über „schlechte Wege“ kommt, ohne auf eine engagiertere, dynamischere Fahrweise auf der Strasse verzichten zu müssen. Genau das schaffen viele SUVs nicht. Der Ford Puma ist eine der Ausnahmen…

Geräumig, sehr solide verarbeitet und ohne nervige Klappergeräusche im Innenraum ist der Ford Focus Active eine sehr sichere Wahl – besonders in Kombination mit diesem 1,5-Liter-Diesel mit 120 PS, der das Gesamtpaket mit starken Langstreckenqualitäten und sehr niedrigen Verbräuchen abrundet.

Mit Preisen ab 32 507 Euro ist der Ford Focus Active weit davon entfernt, günstig zu sein. Allerdings laufen aktuell Aktionen, die ihn preislich etwas attraktiver machen.


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