Erkennen Sie diesen Suzuki Swace wieder? Kein Wunder: Dieser Kombi ist so etwas wie ein „Klon“ des Toyota Corolla Touring Sports – entstanden aus einer Kooperation zwischen Suzuki und Toyota.
Die Gründe dafür lassen sich schnell erklären: Durch das Abkommen erhielt Suzuki Zugriff auf eines der ausgereiftesten Hybridsysteme am Markt – und zugleich auf zwei Karosserievarianten, die im eigenen Portfolio fehlten. Neben diesem Swace-Kombi gehört dazu auch der SUV Across (auf Basis des Toyota RAV4).
Dazu kommt ein weiterer, für den europäischen Markt entscheidender Effekt: Weil es sich bei beiden Modellen um Hybride handelt, helfen sie Suzuki spürbar dabei, den Flottenverbrauch bzw. die durchschnittlichen Emissionen der in Europa verkauften Fahrzeuge zu senken. Damit kann der japanische Hersteller die zunehmend strengen Emissionsvorgaben erfüllen.
Wie bitte – das ist kein Corolla?
Optisch unternimmt der Suzuki Swace kaum Anstrengungen, seine Herkunft zu „verstecken“. Im Kern ist er ein klassisches Beispiel für badge engineering (Emblem- bzw. Zeichen-Ingenieurskunst) – der Spielraum für Änderungen beschränkt sich praktisch auf … den Tausch des Markenzeichens.
Beim Swace sind es neben dem exklusiven Lettering und dem Suzuki-Logo vor allem die anders gezeichnete Frontschürze, die ihn vom Corolla Touring Sports unterscheiden, der als Basis dient. Ohne dieses Detail wäre es nahezu unmöglich, beide Modelle rein visuell auseinanderzuhalten – selbst wenn sie nebeneinander stehen. Hervorzuheben: In der hier getesteten Ausstattung GLX verfügt der Swace über Bi-LED-Scheinwerfer.
Innenraum: 1:1 übernommen
Im Innenraum gilt im Grunde dasselbe wie aussen: Wäre das Markenlogo verdeckt, liessen sich Unterschiede kaum erkennen. Sie beschränken sich auf das Suzuki-Emblem am Lenkrad sowie auf die Grafiken des Infotainmentsystems.
Das ist allerdings weit davon entfernt, ein Kritikpunkt zu sein. Der Innenraum macht insgesamt einen sehr guten Eindruck – sowohl bei Verarbeitung als auch bei der praktischen „Ablage“-Organisation. Und in einer Zeit, in der viele Hersteller konsequent digitalisieren, sind echte Tasten für die Klimabedienung schlicht angenehm: klar, funktional, unkompliziert.
Das Infotainment (ebenfalls mit physischen Schnellwahltasten …) basiert auf einem 8″-Bildschirm und ermöglicht die Smartphone-Integration über MirrorLink, Apple CarPlay und Android Auto.
Vorne in der Mittelkonsole gibt es ausserdem eine kabellose Ladeschale fürs Smartphone sowie zwei gut erreichbare USB-Anschlüsse. Ebenfalls erwähnenswert: Die Vordersitze sind beheizbar, ebenso das Lenkrad, und der Innenraum bietet eine Ambiente-Beleuchtung.
Platz für fast alles
Der Kofferraum stellt 596 Liter Ladevolumen bereit (1232 Liter bei umgeklappten Rücksitzen). Praktisch ist der Ladeboden, der sich in zwei Positionen einsetzen lässt und zwei unterschiedliche Oberflächen bietet: eine klassische, mit typisch samtiger Auskleidung, und eine aus Harz – gedacht für nasse oder schmutzige Gegenstände, etwa wenn man ein Fahrrad transportiert.
Nicht nur das Kofferraumvolumen überzeugt, auch das Platzangebot im Innenraum fällt gut aus – vor allem hinten, wo zwei Erwachsene sehr komfortabel untergebracht werden können.
Und wie fährt er sich?
Am Steuer fällt als Erstes die gelungene Sitzposition auf. Anpassen lässt sie sich über den Sitz mit Höhen- und Lendenwirbelverstellung sowie über das Lenkrad, das sich in Höhe und Tiefe justieren lässt.
Die Sitze sind etwas sportlicher geschnitten, ohne dadurch unbequem zu werden – im Gegenteil. Zusätzlich bieten sie einen guten Seitenhalt.
Sobald man allerdings startet, rückt vor allem eines in den Vordergrund: das vielfach gelobte Toyota-Hybridsystem. Es stiehlt fast allem anderen die Show.
Nur eine Antriebsvariante
Der Suzuki Swace wird in zwei Ausstattungslinien angeboten (GLE und GLX), jedoch ausschliesslich mit einem Hybridantrieb. Dieser kombiniert einen 1.8 l grossen Vierzylinder-Benziner mit 98 PS im Atkinson-Zyklus (effizienter) mit einem Elektromotor, der 53 kW (72 PS) leistet. Die Energie liefert eine kleine Batterie mit 3,6 kWh.
In Summe ergibt das eine Systemleistung von 122 PS. Angetrieben werden ausschliesslich die Vorderräder – über ein stufenloses Getriebe (e-CVT, das mit zwei Elektromotoren und einem Planetenradsatz arbeitet). Diese Technik wird häufig kritisiert, doch Toyota hat beim Thema Laufkultur und Abstimmung sichtbar viel Feinarbeit geleistet.
Erst wenn man deutlich zügiger fährt, zeigt sich die typische, wenig geliebte „Eigenart“: der „Gummiband-Effekt“. Gemeint ist das fehlende, direkte Verhältnis zwischen Beschleunigung und Motordrehzahl – der Motor hält die Drehzahl über längere Zeit auf einem konstant hohen Niveau.
In diesem Moment wird das höhere Geräuschniveau (durch die hohen Drehzahlen) schwer zu überhören. Dennoch schmälert das die Fahrerfahrung im Swace nicht grundsätzlich: Das Hybrid-System überzeugt mit niedrigen Verbräuchen und vor allem mit seinem sanften, unaufgeregten Charakter.
Die Steuerung, wann der Elektromotor arbeitet, übernimmt das System selbst – meist so unauffällig, dass man es kaum bewusst wahrnimmt. Je nach Bedarf kann man rein mit Verbrenner, rein elektrisch oder mit beiden zusammen unterwegs sein.
Zusätzlich stehen vier Fahrmodi zur Wahl: Normal, Eco, EV und Sport. Im Normal-Modus wird ein sinnvoller Mittelweg aus Komfort und Verbrauch angestrebt – damit ist er für den Alltag am geeignetsten. Der Eco-Modus fokussiert stärker auf Effizienz, indem das Gaspedal sanfter anspricht und die Klimaanlage sparsamer geregelt wird.
Der EV-Modus ermöglicht rein elektrisches Fahren mit der Energie aus der Batterie (allerdings nur sehr kurz). Wenn man hingegen das dynamische Potenzial des Fahrwerks nutzen möchte, ist der Sport-Modus die passende Wahl.
Kompetent auf ganzer Linie
Auf dem Papier wirken die Fahrleistungen des Swace wenig spektakulär: 0 auf 100 km/h in 11,1s, die (begrenzte) Höchstgeschwindigkeit liegt bei 180 km/h. In der Praxis zeigt sich jedoch, dass die GA-C-Plattform dynamisch deutlich mehr kann, als diese Werte vermuten lassen.
Wichtig ist: Dieses Modell hat keinerlei sportliche Mission – es wurde nicht dafür konzipiert. Vielleicht wirkt die positive Überraschung genau deshalb umso grösser.
Das Fahrverhalten ist jederzeit sicher und sehr kompetent. Die Frontpartie kommuniziert gut, die Lenkung wirkt präzise und direkt, und das Fahrwerk ist so abgestimmt, dass es einen sehr gelungenen Kompromiss aus Komfort und Effektivität liefert. Unebenheiten werden stets sauber weggefiltert. Und das alles bei Durchschnittsverbräuchen, die mich Dieselmotoren fast vergessen lassen – fast…
Ich war vier Tage mit dem Swace unterwegs und habe mehrere Hundert Kilometer in der Stadt, im Umland sowie auf der Autobahn zurückgelegt. Als ich ihn wieder bei Suzuki abgab, zeigte der Bordcomputer einen Durchschnitt von 4,4 l/100 km.
Zwar nutzte ich den Eco-Modus, wann immer es sinnvoll war, und schaltete das Getriebe häufig in den „B“-Modus, um beim Lupfen stärker zu rekuperieren. Trotzdem bleibt das ein bemerkenswerter Wert.
Ein Punkt ist mir aufgefallen: Ab 100 km/h entstehen hörbare Windgeräusche. Sie werden nicht wirklich störend, sind aber eindeutig wahrnehmbar.
Ist das das richtige Auto für Sie?
Wer einen kompakten Familienkombi sucht, der ein gutes Fahrverhalten, niedrige Verbräuche, Komfort und eine wertige Anmutung miteinander verbindet, sollte den Suzuki Swace unbedingt in Betracht ziehen.
Durch die Toyota-Partnerschaft nutzt Suzuki eines der besten Hybridsysteme am Markt – das ist bereits für sich genommen ein starkes Argument. Hinzu kommen die bekannte Toyota-Verarbeitungsqualität und Zuverlässigkeit.
Insgesamt ist der Swace ein solides Modell mit guter Ausstattung (vor allem in dieser GLX-Version). Auch wenn er nicht übermässig extrovertiert auftritt, meistert er die Anforderungen des Alltags sehr souverän.
Preislich startet der Swace bei 32 872 Euro in der Version GLE und bei 34 707 Euro für die GLX. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Tests lief allerdings eine Aktion, die den Preis unseres Testwagens auf knapp 30 000 Euro senkt – dadurch wirkt das Gesamtpaket spürbar attraktiver, insbesondere mit Blick auf die gebotene Ausstattung.
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