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Neue Studie der University of Minnesota Twin Cities: Tempolimit einhalten spart Kraftstoff, Geld und Leben

Person hält Lenkrad im Auto auf einer sonnigen Autobahn mit Quittung am Armaturenbrett befestigt.

Die meisten Menschen am Steuer fahren ganz selbstverständlich schneller als erlaubt. Das fühlt sich an, als würde man unterwegs ein paar Minuten gewinnen.

Genau dieser Tauschhandel steht im Mittelpunkt einer neuen Analyse zum Fahrverhalten in den USA. Sie stellt eine einfache Frage: Was kostet das Rasen tatsächlich – für alle, die die Strasse gemeinsam nutzen?

Hinter der Untersuchung stehen zwei Ingenieure von der University of Minnesota Twin Cities. Ihr Ziel waren belastbare Zahlen aus realen Fahrten – statt Laborwerte und grobe Durchschnittsannahmen zum Verbrauch, auf die sich frühere Arbeiten oft stützten.

Dass Kraftstoffpreise von Jahr zu Jahr stark schwanken und die Zukunft der Elektroautos weiterhin offen ist, macht einen anderen Ansatz attraktiv: Eine Veränderung im Fahrstil ist ein sofort wirksamer Hebel – ohne neue Technik und ohne ein neues Auto vor der Tür.

Wie Luftwiderstand Kraftstoff frisst

Das zentrale Problem ist der Luftwiderstand. Die Luftwiderstandskraft wächst mit dem Quadrat der Geschwindigkeit – schon kleine Tempoerhöhungen können den Verbrauch daher spürbar verschlechtern.

Am effizientesten gehen Autos mit Kraftstoff typischerweise bei ungefähr 65 bis 90 km/h (40 bis 55 mph) um. Wer deutlich darüber fährt, zwingt den Motor, sich durch eine unsichtbare, „dichtere“ Luftwand zu drücken.

Dass dieses Effizienzfenster existiert, ist kein Zufall. Es prägte auch die Tempolimits, die in den USA in den 1970er-Jahren festgelegt wurden – als erster ernsthafter Versuch, den Kraftstoffverbrauch zu begrenzen.

Gerade auf Autobahnen ist der Aufschlag gross: Bereits rund 16 km/h (10 mph) über dem Limit können den Kraftstoffverbrauch und den CO₂-Ausstoss um bis zu 21% erhöhen.

Kraftstoff- und Kosteneinsparungen durch Tempolimits

Um eine realistische Gesamtsumme zu erhalten, nutzte das Team mehr als 120 Millionen Fahrzeugfahrten aus vier Tagen im Jahr 2021 – jeweils ein Tag pro Jahreszeit.

Jede Strecke wurde dem jeweiligen Strassentyp zugeordnet, mit dem ausgeschilderten Tempolimit abgeglichen und zusätzlich mit Höhendaten des United States Geological Survey (USGS) verknüpft.

Anschliessend berechneten die Forschenden jede Fahrt in zwei Varianten: einmal mit den tatsächlich gefahrenen Geschwindigkeiten – und einmal so, als wären alle Fahrzeuge konsequent höchstens mit dem Limit unterwegs gewesen.

Die Differenz fiel deutlich aus. Würden alle die ausgeschilderten Grenzen einhalten, liessen sich an einem einzigen Tag ungefähr 25,4 Millionen Liter Kraftstoff (6,7 Millionen US-Gallonen), 57.000 metrische Tonnen Kohlendioxid und rund 22 Millionen US-Dollar einsparen.

„Wir verstehen die Physik bereits, wie sich Geschwindigkeit auf den Kraftstoffverbrauch auswirkt, aber die exakte Grössenordnung dieser Einsparungen im nationalen Massstab zu quantifizieren, gibt uns ein klareres Bild der tatsächlichen Auswirkungen“, sagte Bharat Jayaprakash, Hauptautor der Studie.

Schnell fahren war noch nie so leicht

Was kostet diese Disziplin die Fahrenden selbst? Ehrlich gesagt: fast nichts.

Wer sich ans Limit hält, braucht über alle Fahrten eines ganzen Tages im Schnitt nur etwa 54 Sekunden länger. Hochgerechnet auf eine Woche sind das lediglich 6,3 Minuten – und eine frühere australische Studie kam sogar auf einen noch kleineren realen Zeitgewinn durch schnelleres Fahren.

„Während Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor in den vergangenen Jahrzehnten deutlich effizienter geworden sind, sind sie zugleich viel leistungsstärker geworden. Schnell fahren ist leichter als je zuvor“, sagte Studienmitautor William Northrop.

„Unsere Studie untersucht eine offensichtliche, aber schwer umzuset zende Massnahme für grosse Kraftstoffeinsparungen, die sich erreichen lässt, ohne unsere Autos zu ersetzen: langsamer fahren.“

Wo Tempolimits am häufigsten überschritten werden

Rasen verteilt sich nicht gleichmässig über die Landkarte. Von den untersuchten Fahrten enthielten rund 43% mindestens einen Abschnitt oberhalb des ausgeschilderten Limits.

Auffällig war der Südosten der USA: In North Carolina lagen mehr als 60% der Fahrten zumindest teilweise über dem Limit; Georgia und Florida folgten knapp dahinter – in beiden Staaten überschritt mehr als die Hälfte der Fahrten die Vorgaben.

In den weitläufigen westlichen Bundesstaaten zeigte sich das Gegenbild. Montana, Wyoming und Idaho lagen nahe am unteren Ende – vermutlich, weil die dortigen Limits bereits so hoch sind, dass sie für viele Fahrende „ausreichen“.

Auch der Fahrzeugtyp spielte eine Rolle. Wendige Zweisitzer überschritten die Limits am stärksten und lagen im Durchschnitt etwa 24 km/h (15 mph) darüber, während kleine SUVs sowie Pick-ups eher in der Nähe der erlaubten Geschwindigkeit blieben.

Elektroautos sparen noch mehr

Bei Elektroautos zeigt sich derselbe Zusammenhang – nur ausgeprägter. In Kalifornien, dem einzigen Bundesstaat mit ausreichend E-Autos für eine robuste Auswertung, lagen die Energieeinsparungen bei batterieelektrischen Fahrzeugen bei über 9%.

Bei Benzinern im gleichen Vergleich waren es eher rund 3%. Elektromotoren halten ihre Effizienz schlicht über einen deutlich breiteren Geschwindigkeitsbereich.

Zusätzlich wirkt sich Bremsen spürbar aus: Elektroautos gewinnen beim Verzögern Energie zurück, was die „Kosten“ des vom Gas Gehens reduziert.

Diese Fahrenden fuhren zudem von vornherein seltener zu schnell. Fahrten mit batterieelektrischen Autos überschritten das Limit deutlich seltener als Fahrten mit Benzinern – bei vergleichbarer Streckenlänge.

Höheres Tempo kostet Menschenleben

Die Rechnung beim Kraftstoff ist nur ein Teil der Geschichte. Zu schnelles Fahren hat einen menschlichen Preis, der ein paar gesparte Sekunden bei weitem überragt.

Im Jahr 2023 wurde überhöhte Geschwindigkeit mit 11.775 Todesfällen auf US-Strassen in Verbindung gebracht. Schon ein moderater Rückgang könnte einige dieser Leben retten.

Auf ein ganzes Jahr hochgerechnet entspricht der Kraftstoffgewinn etwa 9,1 Milliarden Litern (2,4 Milliarden US-Gallonen). Das ist ungefähr so viel Benzin, wie eine Flotte von rund 5,5 Millionen Autos in einem Jahr verbrauchen würde.

Geld, das nicht an der Zapfsäule ausgegeben wird, fliesst tendenziell zurück in die übrige Wirtschaft. Zusammen mit Klima- und Sicherheitsgewinnen überwiegt das klar den kleinen Rückgang bei Kraftstoffsteuern, aus denen Strassen finanziert werden.

Wie es weitergeht

Abgeschlossen ist das Bild noch nicht. Die Forschenden betrachteten ausschliesslich Autobahnen und Hauptverkehrsstrassen mit Limits von mindestens 72 km/h (45 mph) – dadurch dürfte ihre Schätzung eher konservativ ausfallen.

„Zentrale verbleibende Herausforderungen unserer Forschung sind, unseren Ansatz auf vielfältigere Strassentypen auszuweiten und die Auswirkungen aggressiver Beschleunigungen auf Kraftstoffverbrauch und Emissionen zu verstehen“, sagte Northrop.

„Sowohl geringere Geschwindigkeiten als auch weniger Beschleunigung werden uns ein noch vollständigeres Bild des realen Einsparpotenzials beim Kraftstoff liefern.“

Als Nächstes ist ein mit Sensoren vollgepacktes Elektroauto geplant, das echte Fahrten besonders detailliert aufzeichnen soll. Damit will das Team zeigen, wie kleine Gewohnheiten am Steuer den Energieverbrauch über eine gesamte Fahrzeugflotte hinweg prägen.

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