Stellantis hat soeben die ersten Eckpunkte seiner Elektrifizierungsstrategie für Europa und Nordamerika vorgestellt und stellt dabei vier dedizierte Plattformen für elektrifizierte Fahrzeuge sowie Batterien mit Reichweiten von über 800 km in Aussicht.
Bekanntgegeben wurden die Pläne von Carlos Tavares, dem CEO des noch jungen Konzerns (entstanden aus dem Zusammenschluss von FCA und Groupe PSA), im Rahmen der ersten jährlichen Hauptversammlung.
Die umfassende Konzernstrategie soll bis zum Jahresende vollständig präsentiert werden. Bereits am 8. Juli will Carlos Tavares zudem weitere Details zur Elektrifizierungsstrategie nachreichen. Unabhängig davon ist der Kurs „Richtung Elektrifizierung“ bereits klar abgesteckt – und das Fundament der künftigen Elektro-Palette steht.
Zu den nun bestätigten Punkten zählt vor allem die Festlegung auf vier Plattformen für Elektrofahrzeuge: eCMP (zweite Generation), STLA Medium, STLA Large und STLA Frame.
Für kleinere Modelle setzt Stellantis weiterhin auf die bekannte eCMP, die bereits als Basis für Fahrzeuge wie den Peugeot e-2008, den Peugeot e-208 oder den Opel Corsa-e dient. Ende 2022 soll jedoch eine zweite Generation dieser Multi-Energie-Plattform (inklusive 100% elektrischer Antriebe) starten, die bis 2026 eingesetzt wird. Danach folgt die neue Plattform STLA Small (Segmente A, B und C) mit einer geschätzten Reichweite von über 500 km.
Darüber positioniert Stellantis ab Mitte 2023 die STLA Medium für Mittelklassefahrzeuge (Segmente C und D). Sie ersetzt die weit verbreitete EMP2, die derzeit nur Plug-in-Hybridantriebe ermöglicht. Trotz des neuen Namens handelt es sich faktisch um die eVMP, die die Groupe PSA bereits angekündigt hatte. Versprochen werden Reichweiten von über 700 km; als erstes Modell soll der Nachfolger des Peugeot 3008 auf dieser Architektur aufbauen.
Für grössere Fahrzeuge (Segmente D und E) steht ab Mitte 2023 die Plattform STLA Large bereit. Für darauf basierende Modelle stellt Stellantis Reichweiten von über 800 km in Aussicht.
Ab 2024 bildet schliesslich STLA Frame die technische Grundlage für besonders grosse SUVs und Pick-ups – unter anderem von Marken wie RAM. Hier sind maximale Reichweiten von über 500 km zu erwarten.
Elektrifizieren, elektrifizieren und elektrifizieren…
Dass Stellantis konsequent elektrifiziert, ist seit Längerem gesetzt. Carlos Tavares rechnet damit, dass der Konzern bereits 2021 mehr als 400 000 elektrifizierte Fahrzeuge ( Plug-in-Hybride und 100% Elektroautos) verkaufen wird.
Noch ambitionierter fällt der Blick nach vorn aus: Für 2025 erwartet Tavares, dass 38% der Stellantis-Verkäufe in Europa auf elektrifizierte Fahrzeuge entfallen werden – gegenüber den für dieses Jahr prognostizierten 21% – und dass bis 2030 ein Anteil von 70% erreicht wird.
Den gesamten Prozess unter Kontrolle halten
Ausserdem kündigte Carlos Tavares an, dass Stellantis die Elektrifizierung möglichst effizient umsetzen will – und dafür die gesamte Lieferkette stärker in den eigenen Einfluss bringen möchte. Laut Tavares soll Stellantis in der Lage sein, rund 80% des Werts eines Elektrofahrzeugs selbst zu kontrollieren; das sei „mehr, als wir derzeit bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor kontrollieren“, sagte er laut Automotive News.
Möglich werden soll dies durch intern eingeführte Arbeitsweisen sowie durch Joint Ventures: mit Nidec für Elektromotoren und mit Total-Saft. Aus der Zusammenarbeit mit letzterer ist die Automotive Cells Company hervorgegangen, die bis 2030 in Europa zwei Batteriefabriken mit einem Produktionspotenzial von 32 GWh (jeweils) betreiben soll.
In seinem jüngsten Update ergänzte Tavares, Stellantis werde Zugang zu „mindestens 130 gWh Batteriezell-Produktionskapazität zwischen Europa und den USA haben; diese Zahl wird bis 2030 auf 250 gWh steigen“.
Wie genau diese Grössenordnung erreicht werden soll, liess Tavares offen. Er deutete jedoch an, dass Stellantis sich in den Vereinigten Staaten „schnell bewegt, mit Projekten, die in Kürze angekündigt werden“ und dass in Europa weitere „Gespräche laufen“.
Und die CO₂-Ziele?
Tavares ging auch auf die einzuhaltenden CO₂-Ziele ein – und auf die hohen Kosten, die ein Verfehlen nach sich zieht. Aus seiner Sicht wird die nun skizzierte, breit angelegte Elektrifizierungsstrategie Stellantis in die Lage versetzen, die geforderten Werte zu erfüllen und hohe Strafzahlungen zu vermeiden.
Zur Einordnung: In den vergangenen Jahren hatte FCA Hunderte Millionen Euro für den Kauf regulatorischer Credits in den Vereinigten Staaten von Amerika und in Europa ausgegeben, um Strafen wegen zu hoher CO₂-Emissionen zu umgehen.
Laut Giorgio Fossati, General Counsel von Stellantis, gab FCA zwischen 2018 und 2020 1500 Millionen Euro für Emissionsgutschriften aus – davon 700 Millionen allein im Jahr 2020. Dennoch erklärte Fossati, Stellantis werde 2021 in Europa in der Lage sein, seine CO₂-Ziele zu erreichen, ohne Vereinbarungen mit anderen Herstellern eingehen zu müssen.
Quelle: Automotive News.
Kommentare
Noch keine Kommentare. Sei der Erste!
Kommentar hinterlassen