Zum Inhalt springen

Die Geschichte des Porsche 911 GT3: 996, 996.2 und die Rückkehr des RS

Silberner Porsche 996 GT3 RS Sportwagen in Ausstellung mit schwarzen Felgen und großem Heckspoiler.

1999 zeigte sich der erste Porsche 911 GT3 auf dem Genfer Auto-Salon der Weltöffentlichkeit – und wurde im Handumdrehen zum Massstab unter den Sportwagen. Dieser Ruf hält bis heute: über drei Generationen hinweg und 14 Ausprägungen später (inklusive Updates sowie RS- und Touring-Varianten).

Dass er als Referenz gilt, überrascht nicht. Im Kern ist der 911 GT3 ein Homologations-Sondermodell: zuerst als kompromissloses Werkzeug für die Rennstrecke konzipiert und optimiert – und erst danach gerade so weit „zivilisiert“, dass er auf der Strasse funktionieren kann.

Folgerichtig lag die Entwicklung in den Händen der Porsche-Motorsportabteilung – und genau dort entsteht bis heute jeder „GT“-Ableger des 911.

Als Ableitung der 996-Generation – für viele der am wenigsten geliebte und am häufigsten kritisierte 911 überhaupt – trat der 911 GT3 (unterteilt in 996.1 GT3 und 996.2 GT3, dazu gleich mehr) die Nachfolge der ebenfalls stark auf Fahrdynamik getrimmten 964 RS und 993 RS an. Gleichzeitig bildete er die Grundlage für eine ganze Familie von Rennversionen, die von Markenpokalen (911 GT3 Cup) bis in GT-Meisterschaften reichten (911 GT3 R und 911 GT3 RSR).

Warum heisst er GT3 und nicht – wie seine Vorgänger – RS? Die Bezeichnung lehnte sich an das damalige Reglement der FIA-GT-Meisterschaft an: GT3 war die Klasse, deren Fahrzeuge den Serienautos am nächsten standen. Am anderen Ende des Spektrums stand GT1 – und auch dort schrieb der Porsche 911 Geschichte.

Vom 911 zum 911 GT3

Wie bei jedem Homologationsmodell brachte der Schritt vom 911 zum 911 GT3 spürbare Unterschiede mit sich. Die Porsche-Rennabteilung liess kein Detail liegen, um eine Maschine zu schaffen, die vor allem eines sein sollte: siegreich.

Ausgangspunkt war die Karosserie eines 911 Carrera 4 – doch tatsächlich teilte der GT3 am Ende nur wenig mit ihm.

Anstelle des erstmals wassergekühlten Sechszylinder-Boxers der „normalen“ Carrera 2 und Carrera 4 arbeitete im GT3 ein ganz anderer Sechszylinder-Boxer, deutlich besser für den Renneinsatz geeignet und im Wettbewerb bewährt. Als Basis diente derselbe Motorblock wie im 911 GT1: Sieger der 24 Stunden von Le Mans 1998 und während seiner Karriere mit 47 Siegen.

Der hochverehrte Mezger-Block – benannt nach seinem Schöpfer Hans Mezger, dem Motorenmagier von Porsche – begleitete den 911 GT3 über mehrere Generationen hinweg und wurde erst mit der 991-Generation in den Ruhestand geschickt.

Dieser Block trug noch eine klare DNA der „flat-six air-cooled“ (luftgekühlten) Aggregate in sich – seine Wurzeln reichen in diese Zeit zurück. In seiner ersten Ausbaustufe kam er mit 3600 cm³, 360 PS bei 7200 U/min und 370 Nm – und, wie im Motorsport üblich, mit Trockensumpfschmierung. Das Getriebe? Natürlich manuell – und zudem aus dem 911 GT2 übernommen.

Als Nächstes stand das Fahrwerk auf der Liste. Einstellbare Dämpfer und Stabilisatoren senkten die Bodenfreiheit um 30 mm, hinzu kamen ein Sperrdifferenzial und grössere Bremsen. Leichtere 18″-Felgen und Pirelli P Zero-Reifen gehörten ebenso dazu. ESP oder Traktionskontrolle? Fehlanzeige. Lediglich ABS war an Bord.

Gewicht ist der natürliche Feind der Performance – das galt auch hier. Im Innenraum des Porsche 911 GT3 wurde alles entfernt, was nicht zwingend nötig war: ein Grossteil der Geräuschdämmung, die Rücksitze, das Schiebedach, die hinteren Lautsprecher und sogar die Klimaanlage (die sich allerdings wieder nachrüsten liess).

Und schliesslich, aber ganz sicher nicht weniger wichtig: die Aerodynamik. Der Heckflügel wechselte von verstellbar zu feststehend – ein Detail, das später zu einem der prägenden Erkennungsmerkmale des Porsche 911 GT3 werden sollte, direkt aus dem Rennsport übernommen.

Nachdem Walter Röhrl das Paket mit seinen berühmten Händen (und Füssen) final abstimmte, stand ein Sportwagen mit erstklassigem Stammbaum da – und wurde nahezu einhellig gefeiert. Ob für seine Drehfreude, die präzise Lenkung mit viel „Feeling“, die extrem willige Vorderachse oder die nahezu „kugelsichere“ Stabilität selbst auf welligen Strecken.

Kombiniert mit einer Runde unter acht Minuten auf dem Nürburgring mit Röhrl am Steuer war die Messlatte für jeden Thronanwärter entsprechend hoch gesetzt.

„Roh“ und „viszeral“ waren nur zwei Begriffe, die man seiner Fahrerfahrung zuschrieb – genau so, wie man es von einem Auto mit so enger Verbindung zur Rennstrecke erwartet. Und doch blieb Raum für Feinschliff – bei Porsche scheint das irgendwie immer so zu sein…

996.2 GT3

Mit dem Facelift des 996 im Jahr 2001 nahm Porsche auch den 911 GT3 erneut in die Hand; 2003 erschien die überarbeitete Version, ebenfalls als 996.2 GT3 bekannt. Die stark kritisierten Scheinwerfer änderten sich – sie waren nicht länger identisch mit denen des Boxster. Entscheidender waren jedoch die technischen Anpassungen: Der Motor legte zu und lieferte nun 381 PS bei 7400 U/min und 385 Nm, was die zusätzlichen 30 kg kompensierte (1380 kg statt 1350 kg).

Auch die Aerodynamik wurde weiterentwickelt, einschliesslich eines neuen Heckflügels. Die Reifen wurden breiter, und die Bremsscheiben wuchsen im Durchmesser (von 320 mm auf 350 mm). Erstmals konnte der GT3 zudem mit den Carbon-Keramik-Scheiben aus 911 Turbo und 911 GT2 ausgestattet werden, wodurch die ungefederten Massen um 18 kg sanken.

Das Beste sollte erst noch kommen…

Die Rückkehr des RS

Er wurde zum Höhepunkt des ersten 911 GT3 – und sollte es in allen folgenden Generationen ebenfalls werden. Der 911 GT3 RS (Renn Sport) verringerte den Abstand zwischen Strasse und Rundstrecke noch einmal deutlich. Gemeint ist dabei nicht nur die auffälligere Optik, die an den ersten 911 RS erinnerte.

20 kg leichter – dank Heckscheibe aus Polycarbonat, Motordeckel sowie (neuem und grösserem) Heckflügel aus Carbon und serienmässiger Carbon-Keramik-Bremsen – dazu ein überarbeitetes, einstellbares Fahrwerk mit 10–15% strafferen Dämpfern und progressiven Federn; spezifische Radnaben und weitere Detailänderungen erhöhten Agilität und dynamische Effizienz des GT3. An der Leistung des Mezger änderte sich dabei nichts.

Er wurde als „das perfekte Auto“ bezeichnet. Mehr muss man nicht sagen…

… oder vielleicht doch, denn die späteren Generationen des Porsche 911 GT3 – und in der Folge auch des 911 GT3 RS – verschoben die Grenzen immer weiter. Man sieht, wie sie mit schnelleren und stärkeren Maschinen verglichen werden und trotzdem oft als Sieger und als Favorit hervorgehen. Er bleibt der Sportwagen, an dem sich alle anderen messen lassen müssen – ein Auto besteht eben nicht nur aus Zahlen.

Es ist ein Fahrerlebnis eigener Art, eng mit dem Motorsport verwoben, und die Grundprinzipien, die den ersten GT3 geformt haben, prägen auch den GT3 von heute. Wie lange noch, angesichts der Welt, in der wir inzwischen leben, ist offen – hoffen wir, dass es noch viele Jahre so bleibt…


Über „Glanzstücke der Vergangenheit“. Das ist die Rubrik von Automobil-Vernunft, die sich Modellen und Versionen widmet, die sich auf die eine oder andere Weise hervorgetan haben. Wir erinnern uns gern an die Maschinen, die uns früher träumen liessen. Komm mit auf diese Zeitreise – hier bei Automobil-Vernunft.

Kommentare

Noch keine Kommentare. Sei der Erste!

Kommentar hinterlassen